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Wundern

Philosophie beginnt beim Wundern, meist über scheinbar alltägliche Dinge oder Sachverhalte. Typisch philosophische Fragen sind:

  • Warum?
  • Worüber reden wir gerade?
  • Von welchem Standpunkt aus betrachtest du den Gegenstand?

Wundern heisst vor allem, sich nicht mit der einfachen Existenz oder dem Glauben an die Wahrheit abzugeben. Philosophisches Denken zeichnet sich durch den Zweifel und das bohrende Nachfragen aus – und das schließt den Zweifel an der eigenen Wahrnehmung ein!

Und das sind Sachverhalte, über die ich mich wundere:

  • Philosophisches Denken, so findet das auch Aristoteles (Metaphysik Buch B.2 997. 11-15), zeichnet sich dadurch aus, dass es die Grundlagen aller anderen, Aristoteles nennt sie “beweisenden”, Wissenschaften, die Axiome, welche für die jeweiligen Wissenschaften Glaubenssätze sind, untersucht hinsichtlich was an ihnen wahr oder falsch ist.Wer glaubt, kann kein Philosoph sein, insofern er glaubt. Denn, Philosoph (-in) sein, heißt Glaubenssätze zu hinterfragen.Warum aber sind so viele Philosoph (-inn) en gläubig, sei es im religiösen Sinne, sei es im axiomatischen? Kann die Antwort auf Angst vor der Macht der jeweiligen Kirchen reduziert werden, also auf mehr oder weniger Kalkül?
  • Wieso lernen wir in der Grundschule, dass es ein Eins gäbe, ohne dass wir auf den Ausnahmecharakter dieser Annahme hingewiesen werden? Warum müssen wir nach etwa 10 Jahren Glauben an solche Sätze wie “1 + 1 = 2″ mit Erschütterung und unter grossen Schmerzen feststellen, dass diese Behauptung nur in äußerst seltenen und meistens langweiligen Sonderfällen zutrifft, bei der Addition von Geschwindigkeiten, bei der 0 und bei ∞, beim Zusammensein der Geschlechter jedoch nur ungenau oder gar nicht?
    (Aristoteles’ Antwort, dass es sich bei 1 oder 2 um Zahlen handelt, bei dem Einen, der Null (0) und dem Unendlichen (∞) jedoch um Ideen, die nicht der einfachen Arithmetik unterliegen ist nachvollziehbar, für mich aber nicht schlüssig denkbar, denn die Lichtgeschwindigkeit oder eine Birne sind auch keine Ideen, verhalten sich aber beim Addieren auch anders als Zahlen)
  • Wieso werden bestimmte Menschen als “groß” bezeichnet? Grosse Denker, grosse Frauen der Weltgeschichte. Warum sollen all diese Leute größer sein und grösser als was oder wer noch eigentlich?
  • Wieso treten bestimmte Entwicklungsstufen des Denkens überall in der Welt gleichzeitig auf?
  • Warum können wir kommunizieren, obwohl wir immer absolut unterschiedliche Standpunkte, Wahrnehmungen und Interessen haben müssen?
  • Wieso hat sich in tausenden Jahren Denken die Vorstellung vom ausgeschlossenen Widerspruch (Keine zwei Sachverhalte können gleichzeitig wahr sein wenn sie einander ausschliessen) als Regel statt als Ausnahme gehalten? Aus der Tatsache dass es nicht gleichzeitig Tag und Nacht sein kann, dass eine Person nicht gleichzeitig pünktlich sein kann und unpünktlich, dass ein Mörder nicht getötet haben kann und nicht getötet haben kann folgt doch noch lange nicht eindeutig, welcher Zustand in der Dämmerung herrscht, ob das Schnabeltier ein Vogel oder ein Säugetier ist oder dass ein sich bewegender Gegenstand (und alle Gegenstände bewegen sich) immer gleichzeitig ist und nicht ist?
  • Warum glauben überall in der Welt Menschen an irgendwelche Götter obwohl allein die Tatsache, dass es verschiedene Gottesvorstellungen gibt, Zweifel an der Sinnhaftigkeit und der Allmacht dieser Götter säen müsste? Wenn es Götter gäbe, wäre es ihnen nicht ein Leichtes, uns alle gleicherweise von ihrer Existenz und der Art ihrer Existenz zu überzeugen? Wenn sie aber diese Macht nicht besitzen, oder einsetzen, sind sie dann vollkommen, sind sie überhaupt Götter, höhere Wesen?
  • Warum sind vor allem Frauen überall in der Welt die am meisten und intensivsten religös fühlenden Menschen, obwohl sie in fast allen Religionen als minderwertig dargestellt werden?
  • Warum ist die verbreitetste Darstellung von Jesus von Nazareth seine Darstellung als Gefolterter, Angenagelter – obwohl das erfordert, immer wieder seinen symbolischen Körper an das symbolische Kreuz zu nageln – warum gibt es so wenige Darstellungen dieser Person als Predigenden, Liebenden, Lebenden?
  • Warum ist das Abendmahl in der christlichen Sitte eine symbolische Menschenfresserei (Blut und Leib Christi)?
  • Warum haben trotz der unglaublich feinen und riesigen Verschiedenheiten der Völker auf der Welt sich einige Dinge überall durchgesetzt?
    • Überall wird Alkohol getrunken
    • Überall werden Zigaretten geraucht
    • Überall gilt das Auto als Wert
    • Überall werden Handys (Mobiltelephone) benutzt
    • Überall gilt der Anzug und die Krawatte als seriöse Kleidung obwohl alle Gauner und Verbrecher diese Kleidung ebenfalls tragen (das gilt freilich nicht im Umkehrschluss)
    • Überall tragen Jugendliche Jeans
  • Warum können zutiefst religiöse Menschen, deren Religion fordert, nicht zu töten, völlig problemlos sich und andere Menschen töten?
  • Warum scheinen Vorgesetzte oft unwissender und einfältiger als ihre Angestellten? (Dazu haben Laurence J. Peter und Raymond Hull allerdings schon eine Menge gesagt …)

Trackback: Trackback-URL |  Autor: Bernd Floßmann  | 

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