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	<title>Philspass &#187; Wissen</title>
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  <title>Philspass</title>
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		<title>Drei Stufen der Erkenntnis</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 07:21:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Axiome]]></category>
		<category><![CDATA[Erkenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Judas Iscariot]]></category>
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		<category><![CDATA[Zweifel]]></category>

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		<description><![CDATA[Drei Stufen gibt es im Erkenntnisprozess: Glauben &#8211; Reaktion Zweifel &#8211; Revolution Wissen &#8211; Konservation Durch diese Stufen müssen wir immer durch,  wir haben keine Chance, nicht beim einfachsten Gedanken, das Schlimmste was uns passieren kann ist, dass wir auf einer Stufe hängen bleiben (Gläubiger, Skeptiker, Lehrer). Nur der Weise (oder natürlich DIE Weise) kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Drei Stufen gibt es im Erkenntnisprozess:</strong></p>
<ol>
<li> Glauben &#8211; Reaktion</li>
<li>Zweifel &#8211; Revolution</li>
<li>Wissen &#8211; Konservation</li>
</ol>
<p>Durch diese Stufen <strong>müssen</strong> wir immer durch,  <strong>wir haben keine Chance,</strong> nicht beim einfachsten Gedanken, das Schlimmste was uns passieren kann ist, dass wir auf einer Stufe hängen bleiben (Gläubiger, Skeptiker, Lehrer). Nur der <strong>Weise</strong> (oder natürlich DIE Weise) kann aus diesem Prozess heraustreten UND gleichzeitig in der Spirale der Entwicklung der Erkenntnis aufsteigen.</p>
<p>Und dann geht es wieder von Vorne los, denn das <strong>Wissen wird Glauben</strong>.</p>
<blockquote><p><span id="more-499"></span><strong>Jegliches Wissen beginnt mit dem <em>Glauben</em>.</strong></p></blockquote>
<p>Wir lernen zu glauben, dass <strong>Eins</strong> existiert, dass die <strong>Arbeiterklasse</strong> die Rettung für die Menschheit bringen kann, dass die <strong>Partei</strong> immer recht hat, dass es einen <strong>Gott</strong> gibt, oder mehrere, dass es <strong>Atome</strong> gibt und <strong>Elektronen</strong>, dass Menschen vernunftbegabt sind, dass <strong>Mutti und Vati</strong> immer lieb sind und wenn, dann gerecht strafen. Überhaupt spielen Strafen in dieser Phase eine grosse Rolle.</p>
<p>Wir werden von <strong>Reaktionären</strong> erzogen! Und der wichtigste Teil dieser Erzieherinnen sind: <strong>Frauen</strong>. Schon mal darüber nachgedacht, warum gerade Frauen so gerne Lehrerinnen werden wollen, besonders für den Kindergarten, die Grundstufe? (Wie haben sich die Revolutionäre und die Feministinnen gewundert, als sie nach der Befreiung der Frauen feststellten, dass die Frauen natürlich reaktionär sind, Überträgerinnen der Tradition, Erzieherinnen der Machos unter denen sie dann später als Ehefrauen angeblich leiden &#8211; Die beliebtesten Witze, Ehefrauenwitze, Schwiegermutterwitze, kommen aus dieser Spannung).</p>
<p>Uns <strong>glauben zu machen</strong> ist die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer. In der Schule, wie auch immer sie geartet ist,  werden wir mit <strong>Namen, Zahlen, Daten, Fakten, Grundannahmen</strong>, <strong><a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Axiom" target="_blank">Axiomen</a>,</strong> mehr oder weniger aggressiv bekannt gemacht. Wer nicht glaubt und die Glaubenssätze nicht exakt wiedergibt, wird bestraft, mit dem Rohrstock, der Verweigerung des ewigen Lebens oder der Drohung mit dem ewigen Leben, der Hölle auf Erden oder der Hölle in der Zukunft (Aus dir wird sowieso nichts!) oder wenigstens schlechten <strong>Zensuren</strong>.</p>
<p>Diese Grundanahmen also werden mit <strong>Fremdworten (Fachsprache) und Autoritäten</strong> belegt: Es steht geschrieben &#8230;, Schon Einstein (Jesus, Moses, Goethe, Gauss &#8230;) hat gesagt &#8230;, der Grosse Führer lehrte uns &#8230; <strong>Die Lehrer der Menscheit sind immer gross</strong> (der grosse Buddha, der grosse Karl Marx) grösser als wir, so wie unsere Eltern einst waren, auch wenn sie uns körperlich kaum bis zu Nase gereicht hätten.</p>
<p>Dummköpfe welche ihrer eigenen Autorität nicht trauen, wie einige Diktatoren, benötigen deshalb auch Persönlichkeitsverstärker wie <a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tiara" target="_blank">hohe Mützen</a>, hohe Häuser oder grosse Autos, nicht um zu kompensieren, sondern um zu unterstreichen, was sie selbst nicht glauben.</p>
<p><strong>Diese Grundannahmen werden nicht belegt, nicht bewiesen.</strong> Ich habe ewig gebraucht um die Technik des mathematischen Beweises zu verstehen. (Wenn … dann) denn es wird eben zum Beispiel die Basis der mathematischen Behauptung der <strong>Infinitesimalrechnung</strong>: Gegeben <strong>sei</strong> eine Wesenheit (Entität), die nicht Null ist aber doch unendlich gegen Null geht, also etwas, was <strong>Null UND nicht Null</strong> ist, nicht bewiesen. Diese muss geglaubt werden.</p>
<p>Also statt: Ich beweise, dass Eins (Gott, Evolution, die Zibetkatze) existiert -&gt; Wenn ich annehme (glaube), dass Eins (Gott, Evolution, die Zibetkatze) existiert, dann kann ich ein ganzes Gebäude von  Wissen darauf errichten, <strong>in sich</strong> schlüssig, logisch und klar, <strong>herr</strong>lich. Mit diesem Gebäude kann ich dann weiter bis zu einem gewissen Grad der Genauigkeit die Welt erklären, Computer bauen, Seelen versorgen, trösten oder aufhetzen.</p>
<p>In dieser Stufe ist Zweifel unangebracht und wird von Lehrkräften erbittert verfolgt. Deswegen heissen sie auch Lehr<strong>kräfte</strong> und werden mit allen möglichen Mitteln vom Rohrstock bis zum Computer ausgestattet.</p>
<p>Die höchste Stufe des Gläubigen ist der <strong>Gelehrte</strong>, seine Perversion der Beckmesser.</p>
<blockquote><p><strong>„De omnibus dubitandum“ (lat.: An allem ist zu zweifeln)</strong></p></blockquote>
<p>Die schlimmste Frage, die eine Schülerin einem Lehrer stellen kann ist: Wirklich? Woher wissen Sie das? Will sie nicht weniger als der Lehrer sein, muss sie Autoritäten umstossen, Lehrsätze widerlegen, Glaubenssätze hinterfragen.</p>
<p>Plötzlich stellt sich heraus, dass der heilige Lehrer mit der Lehrerin ein Verhältnis hat, der grosse Führer gelegentlich aufs Klo muss oder andere Sch… baut, die grosse Wahrheit auf wackligen Füssen steht, die <strong>Namen</strong> ausgedacht, die <strong>Zahlen</strong> gefälscht, die <strong>Fakten</strong> in der Erinnerung verwechselt,<strong> die Grundannahmen</strong> &#8211; <strong>Axiome </strong>absurd sind und, mehr noch gerade wegen der Absurdität geglaubt wurden (<a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Credo,_quia_absurdum_est" target="_blank">credo quia absurdum</a>).</p>
<p>Kluge Regierungen wissen, dass <strong>einen revoutionären Gedanken zu drucken der kürzeste Weg ist, ihn zu erledigen</strong>. Vielleicht machen es Diktatoren in ihrer unendlichen und unbegreiflichen Weisheit den Revolutionären mit Zensur, Redeverboten und Druckverboten gerade deshalb so schwer, weil sie wissen, dass die Ideen, welche wirklich tragfähig sind (Ach es ist so viel Geschwätz da draussen, meines natürlich gehört nicht dazu!) nur im Widerstand, in der Ver<strong>zweifl</strong>ung reifen können und sich doch letztendlich durchsetzen werden? Vielleicht opfern sich Zensoren auf, zerstören ihren Ruf wie <a rel="external" href="http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/e/referenz/47923///cache/d77c77f7bb/">Judas</a>, töten die Propheten um die Prophezeiung wahr werden zu lassen und bekannt, bevor der Prophet selbst alt wird und seine Ideen relativiert oder zurücknimmt? Kaum etwas ist hässlicher als ein alter Revolutionär.</p>
<p>Sollten wir <strong>Judas Iscariot</strong> dafür wirklich hassen, dass er es Jesus von Nazareth möglich gemacht hat, die Rolle des Lamms zu spielen, getötet und konserviert, lesbar zu werden? (Vgl. auch &#8220;Der Fall Judas&#8221; von Walter Jens, auch <a rel="external" href="http://www.daskirchenjahr.de/tag.php?name=judasiskariot&amp;zeit=HeiligeWoche" target="_blank">hier</a> und <a rel="external" href="http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2009/08/03/090803crat_atlarge_acocella">hier</a>). Ich weiss, das klingt zynisch, aber das ist eine der Rollen des Wissenschaftlers, zynisch zu sein, weil er und manchmal auch sie, wissen wie das so läuft, das Leben und alles. Daher die <a rel="external" href="http://www.witzepur.de/arzt.php" target="_blank">zynischen Witze</a> der Ärzte.</p>
<p>Welten brechen zusammen, Gesellschaftssysteme geraten ins Wanken, <a rel="external" href="http://www.miriup.de/spur/3.1.html" target="_blank">Materie verschwindet</a>, neue Religionen entstehen (<a rel="external" href="http://www.google.com/search?q=Es+steht+geschrieben%2C+ich+aber+sage+Euch&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Es steht geschrieben, ich aber sage Euch</a>!). Die Ehefrau (oder manchmal auch der Mann) ist <strong>nicht</strong> treu, überhaupt wird alles plötzlich unklar unscharf, undeutlich, selbst das Geschlecht wird unklar und wir wissen nicht mehr ob wir Männchen oder Weibchen sind.</p>
<p>Am Ende liest sich die Welt wie das Buch eines<a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus" target="_blank"> französischen Strukturalisten</a>, klug, aber unverständlich.</p>
<p>In dieser <strong>Pubertät des Denkens</strong> werden wir alle Revoutionäre, wir pfeifen auf die Tradition, tun genau das, was uns verboten wurde, sägen an Stühlen, öffnen verbotene Türen oder treten sie ein, verlassen Vater und Mutter wegen verrückter Ideen (die wir vorher selbst ver-rückt haben wie alte Möbel um den Dreck darunter hervorzukehren oder den Schatz zu finden), werden <strong>Ein Fleisch</strong> mit <a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sophia" target="_blank">Sophia</a> , die sich als ein Flittchen herausstellt, das  mit jedem und jeder schläft und auch noch Spass und nicht die geringsten Bedenken dabei hat. Die <strong>Liebe</strong> ist hier in ihrer heissesten Phase, das ewig Weibliche zieht uns hinan oder hinab, meistens Beides in Wechselbädern der Gefühle.</p>
<p><strong>Die Revolution ist weiblich, </strong><strong>so lange, bis die Kinder kommen</strong>, die neuen Erkenntnisse, die gepflegt werden müssen und versorgt, so lange sie und weil sie so zart, so zerbrechlich, so hart errungen.</p>
<p>Die Kinder sind das neue Wissen, die Erkenntnis.</p>
<blockquote><p><strong>Das <em>Wissen</em> ist  das Ende des Zweifels</strong></p></blockquote>
<p>Nachdem wir ganz genau nachgesehen, den Vorhang gehoben, unter den Rock geschaut, die Eingeweide gelesen, die Zeichen gedeutet, die Säulen umgestossen, die Werte umgewertet, die Eltern widerlegt, Erfahrungen gemacht haben, müssen wir unsere <strong>neuen Erkenntnisse</strong> schützen, bewahren, mitteilbar machen.</p>
<p>Wir haben Überzeugungen gewonnen, unsere Zeugen sind durch unsere Erfahrungen <strong>Über-Zeugt</strong> worden. Wir haben in unseren wilden Nächten gezeugt und nun sind sie da, die Kinder, die Früchte unserer Erkenntnis, unser Herzblut, unsere Babies. Und diese sind schwach, zarte Pflänzchen.</p>
<p>Wir erzeugen <strong><em>neue</em> Namen, Zahlen, Daten, Fakten, Grundannahmen</strong>, <strong>Axiome.</strong></p>
<p>Wir nennen sie <strong>Neu</strong>. Wir nennen sie <strong>Fortschritt</strong>, wir nennen sie <strong>Entwicklung</strong>, wir nennen sie <strong>wahres Wissen</strong>. Wir schreiben sie fest in Büchern. Wir lehren sie den Lehrern. Wir machen sie konservierbar. Was wir mitunter vergessen, ist, dass die Konserve tot ist. <strong>Bücher sind die Särge des Wissens</strong>, Bibliotheken Friedhöfe, in denen wir mit den Toten sprechen.</p>
<p>Damit können nun auch unsere reaktionären Lehrer wieder leben, sie bezahlen die Bibliotheken, sie bezahlen die Universitäten. Totes Wissen ist nicht mehr so gefährlich, ein Teil der Toten wird für einige Zeit in gesonderte Bereiche (restricted Areas, Giftschränke) ausgelagert. Mit grosser Vorsicht werden sie adaptiert, umgedeutet, angepasst und eingepasst, werden sogar hoffähig. <a rel="external" href="http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/11/01/stephen-hawking/papst-trifft-kluegsten-menschen-der-welt.html" target="_blank">Hawkins darf den Papst treffen</a>, Richard Dawkins wird gedruckt.</p>
<p>Tja, und dann geht alles wieder von vorne los. Wissen wird geglaubt, Glaube wird bezweifelt, Zweifel wird verifiziert zu Wissen. Wenn wir Glück haben, wird das Wissen mehr, manchmal steht aber am Ende der Nichtung des Wissens auch nur die Erkenntnis von der Nichtigkeit alles Wissens. Das sind die Fälle, wo die besonders reinen Formeln entstehen, die sich dann in <strong>Zitate</strong> verwandeln:</p>
<blockquote><p><em></em><em>E = mc<sup>2 </sup></em><sup>(Einstein)</sup></p>
<p>&#8220;Cogito, ergo sum&#8221;<sup>(Descartes)</sup></p>
<p>&#8220;Die Proletarier dieser Welt haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!&#8221;<sup>(Marx/ Engels)</sup></p>
<p><em>„Erkenntnis der Einheit aller Wesen und Askese, Verneinung des Willens zum Leben allein kann uns erlösen, nicht der Selbstmord, der nur die individuelle Erscheinung des Allwillens vernichtet“</em> <sup>(Schopenhauer)</sup></p></blockquote>
<p><strong>Das Zitat ist der Moment, in dem sich Wissen in Glauben verwandelt.</strong></p>
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		<title>Meinungen und Wissen</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Apr 2009 16:20:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Knowledge is just opinion that you trust enough to act upon.&#8221; (Orson Scott Card) (Wissen ist nur Meinung, auf deren Basis du dich traust zu handeln.)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;Knowledge is just opinion that you trust enough to act upon.&#8221;<br />
(Orson Scott Card)<br />
(Wissen ist nur Meinung, auf deren Basis du dich traust zu handeln.)</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>Glauben und Wissen</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2008/03/03/glauben-und-wissen/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Mar 2008 10:32:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Obskuranten]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftler]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Streit zwischen Glauben und Wissen ist alt. In der Regel werden Glauben und Wissen als unvereinbare Gegensätze angesehen. Das Extrem ist der Streit zwischen extremistischen Gläubigen und &#8220;reinen&#8221; Wissenschaftlern. So schreibt Ludmila Carone &#8220;Klare eindeutige, vernünftige Formulierungen und Argumente und nachvollziehbare und dokumentierte Tests und Experimente; das sind die Grundlagen der Wissenschaft und nichts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Streit zwischen Glauben und Wissen ist alt. In der Regel werden Glauben und Wissen als unvereinbare Gegensätze angesehen. Das Extrem ist der Streit zwischen  extremistischen Gläubigen und &#8220;reinen&#8221; Wissenschaftlern.</p>
<p>So schreibt <a rel="external" href="http://www.scienceblogs.de/planeten/2008/02/ist-wissenschaft-ein-glaubenssystem.php" target="_blank"> Ludmila Carone</a></p>
<blockquote class="webkit-indent-blockquote"><p>&#8220;Klare eindeutige, vernünftige Formulierungen und Argumente und nachvollziehbare und dokumentierte Tests und Experimente; das sind die Grundlagen der Wissenschaft und nichts anderes. Subjektive Meinungen und Erfahrungen, die man gemacht zu haben glaubt, haben hier rein gar nichts zu suchen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Sie muss sich aber die Frage gefallen lassen: Woran erkenne ich, dass ein Satz &#8220;klar, eindeutig und vernünftig&#8221; ist? Sind Experimente wirklich und immer  hundertprozentig nachvollziehbar? Muss ich, um dem Berichtenden zu glauben (!) jedes Experiment, jede Beobachtung nachprüfen, oder muss ich es nur können? Woran erkenne ich, dass eine Meinung &#8220;subjektiv&#8221; ist? Wären damit nicht alle Meinungsumfragen von vornherein unwissenschaftlich?</p>
<p><a rel="external" href="http://scienceblogs.com/aardvarchaeology/2008/02/archaeology_and_scientism.php" target="_blank"> Martin Rundkvist</a> erklärt sich als scientist und schreibt:</p>
<blockquote class="webkit-indent-blockquote"><p>&#8220;In my opinion, there is only one kind of science, Wissenschaft, vetenskap, that is, the one that aims at finding out the truth about what the world is or has been like. From a fundamental philosophical perspective, archaeology and physics work just the same: not because I think physics are so great and archaeology is too, but because I think the road to solid scientific knowledge in physics is open but precarious, and that it is in archaeology too. … Ask clearly phrased questions, look at the evidence (quasars, amber bead hoards, census data, Victorian novels), draw clearly phrased rational conclusions, present your work to your peers for scrutiny, see who salutes.&#8221;</p></blockquote>
<p>Vielleicht hilft es, sich Glauben genauer anzusehen.</p>
<p>Es gibt mindestens vier Nutzungsarten des Begriffes &#8220;Glauben&#8221;</p>
<ul>
<li>Ich glaube es weil ich es noch nicht weiß, weil ich dir vertraue und weil ich diese Information für meine Praxis benötige, sie aber nicht selbst verifizieren kann</li>
<li>Ich glaube, weil es absurd ist (<span class="Apple-style-span" style="font-style: italic">credo quia absurdum</span>), weil ich es nicht weiß und ich hoffe, nie etwas darüber zu wissen</li>
<li>Ich glaube, da ist noch mehr zu wissen oder zu bedenken, genauer, ich weiß da ist noch mehr und dieses Wissen lässt mich immer an der Richtigkeit oder Absolutheit des Wissenschaftsergebnisses zweifeln.</li>
<li>Ich glaube, weil und so lange es mir nützt, ich will gar nicht mehr wissen, weil es mir zu anstrengend ist (so nutzen wir alltägliche Gegenstände).</li>
</ul>
<p>Wissenschaft geht vom Glauben aus &#8211; ich meine, wenn ich eine Studie lese, weiß ich, was in dieser Studie steht, nicht was wirklich geschehen ist, denn ich bin nicht im unmittelbaren Wirkungskreis der Forschung, die zur Studie geführt hat, sondern im Wirkungskreis der Studie. Die Wirklichkeit, aus der sich meine wissenschaftliche Welt zusammensetzt, entstammt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem Glauben anderer Menschen, den diese in Texten, Zeichensystemen und Hinweisen an mich kommuniziert haben.</p>
<p>Woher erfahre ich, dass es Trilobiten, Brachiopoden, Bryozoen, einen Archaeopteryx wirklich gibt? Selbst wenn ich die Steine sehe, die von Wissenschaftlern so benannt wurden &#8211; kann es sich auch um künstlicher Reliefs handeln &#8211; so lange ich kein Fachmann auf diesem speziellen Gebiet bin, muss ich <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">glauben</span>.</p>
<p>So scheint es auch <a rel="external" href="http://www.scienceblogs.de/tiefes-leben/2008/02/die-philosophen-die-glaubigen-und-die-journalisten.php" target="_blank">Björn Kröger</a> zu sehen.</p>
<p>Selbst die Mathematik, die wissenschaftlichste aller Wissenschaften geht von Glaubenssätzen aus:</p>
<blockquote><p>&#8220;Nehmen wir mal an, es gäbe eine Entität, die Eins ist, unteilbar und unterscheidbar von anderen Eins &#8211; dann kann ich das ganze Gebäude der Mathematik darauf errichten&#8221;.</p></blockquote>
<p>Dieses auf einem Glaubenssatz &#8211; ähnlich wie in einer beliebigen Religion gegründete Gebäude hat dann solche <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">praktischen</span> Resultate dass sie zur Newtonschen Physik führen.</p>
<p>Was geschieht nun wenn dieses &#8220;Eins&#8221;, der euklidische Grundglaubenssatz erschüttert wird, wie z. B. durch das Leibniz&#8217;sche Differential, das ja bekanntlich sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Nehmen wir mal an, es gäbe eine Entität, die gleichzeitig etwas ist und aber gegen Null geht, also Einheit von Sein und Nichtsein ist &#8211; dann können wir ein logisches Gebäude darauf errichten&#8221;</p></blockquote>
<p>- dieses logische Gebäude hat dann so praktische Sachen wie Weltraumflüge, Atombombenexplosionen und die Beschreibung von Kurven ermöglicht.</p>
<p>Wo bleibt hier das Klare, Eindeutige, gar Vernünftige?</p>
<p>Also Mut, integrieren wir den Glauben in die Wissenschaft. Anzunehmen, dass es Eiszeiten, Meteoriteneinschläge, Gott und Götter, Göttinnen und Geister gibt ist ein Ausgangspunkt in der Wissenschaft, mitunter ein Lemma.</p>
<p>Der Unterschied besteht darin, wie wir mit den Glaubenssätzen umgehen:</p>
<blockquote class="webkit-indent-blockquote"><p>Der wissenschaftlich denkende Mensch geht vom Glauben auf das Wissen, hinterfragt, will es genauer wissen. &#8220;Ich glaube, weil ich es noch nicht weiß&#8221;.</p></blockquote>
<blockquote class="webkit-indent-blockquote"><p>Der obskurant denkende Mensch geht vom Wissen auf den Glauben: &#8220;Ich glaube um es nicht wissen zu müssen&#8221;</p></blockquote>
<div>Nehme ich &#8220;Gott&#8221;, diese <a rel="external" href="http://www.aichberger.de/10D-gott.htm" target="_blank">missbrauchte</a> Zeichenkette G-O-T-T wie jede beliebige andere Zeichenkette, als Variable, als Leerstelle für etwas, für das ich <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">noch</span> keinen Begriff habe, so wie Phlogiston für den Wärmeeffekt als ich mir alles nur als stofflich vorstellen konnte, kann ich diese Leerstelle durch Wissen auffüllen. So konnten die ersten Kosmonauten und Astronauten durch Augenschein sicherstellen, dass sich im Himmel kein Gott beobachten lässt.</div>
<div></div>
<div>Statt &#8220;Ich glaube an Gott im Himmel!&#8221;, konnten diese Wissenschaftler sagen: &#8220;Ich habe keinen Gott gesehen&#8221;</div>
<div></div>
<div>Das ist kein Atheismus. Atheismus heißt: Ich glaube, dass es Gott nicht gibt!</div>
<div></div>
<div>Mark Twain soll mal formuliert haben:</div>
<blockquote>
<div>&#8220;Es ist nichts schwerer zu beweisen als die Nichtexistenz von etwas das nicht existiert!&#8221;</div>
</blockquote>
<div>Für einige Theologen wanderte ihre Vorstellung von Gott so in das noch nicht Erforschte, z. B. die Psyche, zurück, sie sind Wissenschaftler, sie suchen weiter, andere ignorieren diese Erkenntnisse, sie beten immer noch &#8220;Gott im Himmel&#8221;, wohl weil ihnen das Symbol wichtiger ist als die Sache selbst, weil sie dieses Wissen nicht wollen.</div>
<div></div>
<div>Was den Laien vom Wissenschaftler unterscheidet, ist dass  Wissenschaftler beim Glauben nicht stehen bleiben. Das gilt auch für die Wissenschaftler(innen), die sich mit dem Glauben beschäftigen.</div>
<div>
<div>Wer Wissenschaftler  ablehnt, will uns alle zu Laien machen, will den Glauben nicht hinterfragen.</div>
<div>Lustig ist doch, dass auch die Obskuranten ohne Probleme die praktischen Produkte der Wissenschaft, wie z.B. das Internet nutzen um das Bedürfnis von Menschen &#8220;nicht wissen zu müssen&#8221; zu unterstützen.</div>
<div></div>
<div>Was ich viel interessanter finde ist, DASS es ein solches Bedürfnis nach dem Nichtwissen gibt, nach der Einschränkung des Bewusstseins, so wie uns zu viel <a rel="external" href="http://www.philspass.de/2007/08/20/die-gretchenfrage-nach-dem-glauben/" target="_blank" title="Gretchenfrage">Alkohol</a> vor dem Denken schützt.</div>
<div>Ebenso wie bei jeder wissenschaftlichen Frage folgt die pragmatische Frage: &#8220;Welchen Nutzen kann ich aus dem Wissen um dieses Bedürfnis ziehen?&#8221;</div>
<div>Die Obskuranten haben schon eine Lösung gefunden &#8211; sie gründen Kirchen und kassieren Steuern …</div>
<div>Diejenigen Gläubigen, mit denen ich gerne rede, sind die, welche sich selbst fragen, auch die Wissenschaftler fragen: &#8220;Was tut ihr da? Ist die Zündung einer Atomwaffe wirklich eine so gute Idee, die Lösung des komplizierten logistischen Problems der Massenvernichtung von Menschen wirklich ein sinnvolles Anwendungsgebiet der Wissenschaft?&#8221;</div>
<div>Hier ergibt sich eine neue Dimension des Glaubens, nämlich die Dimension, die sagt: <span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold">Wir glauben, wir können uns nie sicher sein, richtig zu liegen, lasst uns noch mal nachschauen, noch mal vordenken … </span></div>
</div>
<div></div>
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		<title>Zenon und das Wissen</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2007/01/28/27/</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Jan 2007 10:44:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zenon von Elea wurde von einem Schüler gefragt: Meister, du weißt so viel und hast so viele Fragen, ich weiß so viel weniger und mir scheint alles klar, wie kann das sein? Zenon malte mit seinem Stab einen kleinen Kreis in den Sand und sprach: Sieh, dieser Sand ist das mögliche Wissen, und dieser kleine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zenon</strong> von Elea wurde von einem Schüler gefragt: Meister, du weißt so viel und hast so viele Fragen, ich weiß  so viel weniger und mir scheint alles klar, wie kann das sein? Zenon malte mit seinem Stab einen kleinen Kreis in den Sand und sprach: Sieh, dieser Sand ist das mögliche Wissen, und dieser kleine Kreis ist das, was du weißt. Daraufhin malte er einen größeren Kreis: Das ist das, was ich weiß &#8211; nun schau, die Peripherie dieses größeren Kreises, die Grenze zum noch nicht Gewussten ist bei mir viel größer als bei dir. Es ist doch ganz klar, dass ich, der Philosoph, mehr Fragen haben muss als du.</p>
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