Home

Tag-Archiv für » Sein «

Wahn ist Wirklichkeit

Freitag, 26. Februar 2010 | Autor: Bernd Floßmann

Wirklichkeit (actualitas, realitas) wird üblicherweise der Möglichkeit oder dem Schein entgegengesetzt. Eine intensive Diskussion findet statt über die Frage, ob Wirklichkeit materiell oder ideell ist (also objektiv und deshalb ausserhalb des menschlichen Bewusstseins oder subjektiv und deshalb innerhalb des menschlichen Bewusstseins existiert).

weiter…

Thema: Essays | Beitrag kommentieren

Seinszuweisungen und Meinungen

Mittwoch, 18. März 2009 | Autor: Bernd Floßmann

Vergleiche:

“Du  siehst gut aus!”

“Ich finde, dass du gut aussiehst!”

Wie so oft finden wir im Alltag die philosophischsten Fragen. Was sind die Unterschiede zwischen diesen beiden Aussagen? Erst mal, dass wir die erste viel öfter finden als die zweite. Zum Anderen, dass die erste eine Seinszuweisung ist und die zweite eine Meinung.

Sehr oft werden Meinungen als Seinszuweisungen ausgesprochen.

Ein Kollege gab seinen Studenten die Aufgabe, eine Zeitung zu durchforsten und Meinungen und Informationen mit verschiedenen Farben zu kennzeichnen. Die Studenten waren bass erstaunt, als sie feststellten, dass die Zeitung fast ausschliesslich Meinungen und nur sehr wenig Informationen enthielt.

Warum aber tun wir das? Warum sprechen wir unsere Meinung so gerne als Seinszuweisung (ontologischen Satz) aus und warum lesen und hören wir offenbar so gerne Meinungen in den Medien, wie wir an den Umsatzzahlen der Medien oder an den Einschaltquoten von Big Brother Sendungen sehen können?

Nun, ich nehme an, dass eine Seinszuweisung den Menschen mehr Schutz bietet und ihre Meinung unangreifbarer macht.

Wenn man, also die ganze Welt, weiss (Wie jeder weiss …, bekanntlich …), ist man mit seiner Meinung nicht alleine und wer wird sich wagen, gegen die Allgemeinheit zu argumentieren?

Natürlich macht eine solche Aussage auch unsicher, dashalb suchen wir in den Medien Spiegel, Ausweise unserer Auffassungen (siehst du? Sie schreiben das sogar in der Zeitung! Also muss es wahr sein![vgl auch Terry Pratchett: The Truth]). Die Zeitungen mit den grossen Buchstaben sind nicht deshalb so begehrt, weil sie so informativ sind oder gar weil sie die Wahrheit sagen, sondern weil sie die Meinungen der grösseren Anzahl der Leser bestätigen. Diese Blätter wie auch das Fernsehen sind keine Meinungsmacher, sondern Meinungsbestätiger, Spiegel. Sie zeigen den Leuten nichts anderes als sich selbst, besser das geschminkte Gesicht, dass die Menschen von sich selbst im Spiegel sehen möchten.

Alle Versuche, diesen Medien Unwahrhaftigkeit oder Meinungsmache vorzuwerfen, sind daher zum Scheitern verurteilt.

Das ist so ;-)

Deswegen versuche ich auch so opinionated zu sein, ein Wort das seltsamerweise “selbstherrlich, rechthaberisch” bedeutet. Auch hier finden wir eine Ironie der Alltagsphilosophie: Derjenige, welcher eine Meinung ausdrückt und verteidigt, ist rechthaberisch oder gar selbstherrlich, derjenige, welcher seine Meinung als Allgemeinaussage verkleidet, als universale Aussage, wird geachtet oder gefürchtet.

Thema: Essays | Beitrag kommentieren

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes