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	<title>Philspass &#187; Schopenhauer</title>
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	<description>Ein weiterer Handouts Blog</description>
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  <title>Philspass</title>
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		<title>Kompetenzlügen und Web 2.0</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2008 12:14:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Schopenhauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Gabi Reinmann, eine Wissenschaftlerin am Institut für Medien und Bildungstechnologie kritisiert die Outputerfassung an Universitäten. In Prüfungen werden ihrer Meinung nach keine Kompetenzen abgefragt, sondern Fakten: &#8220;Wir versprechen ihnen (den Studierenden), sie mit Bologna (die neue Leitidee in Sachen Hochschullehre) auf berufliche Anforderungen, also aufs Problemlösen in der Praxis vorzubereiten, prüfen aber fast ausschliesslich die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="external" href="http://www.imb-uni-augsburg.de/gabi-reinmann" title="Gabi Reinmann" target="_blank">Gabi Reinmann</a>, eine Wissenschaftlerin am Institut für Medien und Bildungstechnologie kritisiert die Outputerfassung an Universitäten. In Prüfungen werden ihrer Meinung nach keine Kompetenzen abgefragt, sondern Fakten: &#8220;Wir versprechen ihnen (den Studierenden), sie mit Bologna (<a rel="external" href="http://www.hrk.de/bologna/de/home/1916.php" title="Bologna-Prozess">die neue Leitidee in Sachen Hochschullehre</a>) auf berufliche Anforderungen, also aufs <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">Problemlösen</span> in der Praxis vorzubereiten, prüfen aber fast ausschliesslich die Reproduktion von <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">Fakten</span>. &#8220;(<a rel="external" href="http://www.imb-uni-augsburg.de/files/Arbeitsbericht16.pdf" title="Arbeitsbericht16.pdf">hier als pdf</a>)</p>
<p>Das bezeichnet Frau Reinmann als die <strong>Kompetenzlüge</strong>. Wenn man bedenkt, dass ein Lüge auszusprechen voraussetzt, dass der Lügner weiss, dass er/ sie lügt, ist das schon eine harte Aussage…</p>
<p>Aber ist sie berechtigt?</p>
<p>Reinmann sieht eine Hauptunklarheit im Bologna-Prozess in den Assessment-Funktionen (Selektion oder/und Förderung), deren politisch unterschiedliche Deutung entscheidend und spaltend auf die Gestaltung der Lehre durch die Universitäten und des Lernens durch die Studierenden wirkt.</p>
<p>Das Assessment – eine Form der Leistungsbewertung – hat unzweifelhaft Einfluss auf das Lernverhalten. Die Gestaltung der Prüfung durch die Prüfer entscheidet über die Gestaltung des Studiums durch die potentiell Geprüften, sofern nicht zum Vergnügen, sondern auf ein Ergebnis, z.B. einen Job, eine Karriere hin, studiert wird. Dieser vorauseilende Gehorsam hat jedoch mit Kreativität nichts zu tun. Wenn nur für die Prüfung gelernt wird, nicht für die Zeit danach, verfehlt eine Universität ihr Ziel, wird zur reinen Arbeitskräfteproduktionsstätte im Dienste fiktiver oder realer Unternehmen, zu einer Art staatlich subventionierter  Betriebsberufsschulen.</p>
<p>Eine Lösung scheint in der Nutzung der sog. Web 2.0 Technologien in einem &#8220;Blended Assessment&#8221; zu liegen, in dem ein Mix  von Fremd-, Selbst- und Peer-Assessment auf Grund von multimedialem (nicht nur Text) Output in Projektform leichter als bisher</p>
<ol>
<li>Lernprozesse nachzeichnen lässt</li>
<li>kollaborative Lernprodukte sichtbar werden</li>
<li>Leistungen multimedial zu präsentieren und</li>
<li>Umfang und Zeiträume des Assessments ohne grosse Mehrbelastung der Studierenden erweitert werden können.</li>
</ol>
<p>Kurz, das Ziel scheint nicht, in Prüfungen, gar noch mit Multiple Choice Ankreuzfragen, Wissen abzufragen, sondern die Präsentation von Denk- und Arbeitergebnissen zu bewerten.</p>
<p>Der Vorschlag von  Frau Reinmann richtet sich also auf die <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">Aktivität</span>, das Vorgeben der Studierenden statt auf die Passivität, das Antworten .</p>
<p>Hier scheint mir ein kurzer Blick auf den Kompetenzbegriff, so wie ich ihn erfasse, sinnvoll zu sein: Schopenhauer gliederte seine &#8220;<a rel="external" href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=3886&amp;kapitel=3&amp;cHash=41723e61122#gb_found" target="_blank">Aphorismen zur Lebensweisheit</a>&#8221; in drei Kompetenzbereiche:</p>
<ol>
<li>Von dem, <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">was einer ist</span>, die Persönlichkeit, die Begabung</li>
<li>Von dem, <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">was einer hat</span>, Eigentum und Besitz, und</li>
<li>Von dem, <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">was einer vorstellt</span>, besser, wie einer von Anderen vorgestellt wird &#8211; das Sein-für-Andere (was den größten Raum in diesem Text einnimmt und durch Heidegger und Sartre schliesslich ausgearbeitet wurde)</li>
</ol>
<p>Ohne jetzt weiter ins Detail dieser Darstellung zu gehen, zeigt sich doch, dass Schopenhauer sich im Klaren darüber ist, dass Kompetenzen nur im praktischen Bezug auf Andere relevant für die Lebenssituation, die praktische Existenz eines Menschen, sind. Geprüft werden <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">soll</span>, was eine(r) <span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">ist – <span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"> geprüft wird, was einer </span>scheint<span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">, für Andere vorstellt.</span></span></p>
<p><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Geübt wird daher von den Menschen die Vorstellung, die Verstellung, die performance. </span></span><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Das führt zu eben dieser Kompetenzlüge, weil die </span><span style="font-style: italic" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">performer</span></span><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"> völlig vom Urteil des angenommenen, von ihnen vorgestellten Publikums abhängen.</span></span></p>
<p><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Diese Vorstellung, diese </span><span style="font-style: italic" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">performance</span></span><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"> hängt in ihrer Qualität nicht wirklich von dem ab, was eine(r) ist oder kann, sondern davon, was vom Prüfer, dem Publikum, den Anderen erwartet zu werden scheint.</span></span><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Was also geliefert wird, ist der </span><a rel="external" href="http://www.philspass.de/2007/07/01/der-name-des-scheins/" target="_blank"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Spiegel des Scheins</span></a><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">, nicht der Schein des Spiegels. </span></span></p>
<p><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Dies führt zu eben der Zerissenheit, denen sich die Lernenden im Lernprozess ausgesetzt sehen.</span></span></p>
<blockquote class="webkit-indent-blockquote"><p>&#8220;Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir&#8221; &#8211; so lautet das öffentliche Moralgesetz.</p></blockquote>
<blockquote class="webkit-indent-blockquote"><p><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">&#8220;Nicht für das Leben, für unsere Vorstellung vom Lehrerwunsch lernen wir&#8221; &#8211; so lautet das pragmatische Erfolgsrezept.</span></span></p></blockquote>
<p><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Das zerreisst die Lernenden auch deshalb so erfolgreich, weil der Massstab ihres Lernens tatsächlich nicht von Aussen, vom Lehrer, objektiv – sondern von Innen, von der eigenen Vorstellung und Furcht, subjektiv produziert wird. </span></span><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Die Lernenden erschrecken vor sich selbst, ihre eigenen Annahmen sind der Schrecken, dem sie sich real aussetzen.  Dieser Schrecken durchzieht den Lernprozess und macht das Lernen für die Sensiblen unter den Lernenden zu einer Hölle, in der sie allzu oft nicht bestehen, der Selektion zum Opfer fallen, weil sie nicht gefördert werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"></span><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Und wer wird ausgewählt? Logisch der beste </span><span style="font-style: italic" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">performer</span></span><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">, der Schaumschläger, der der so tun kann <span style="font-style: italic" class="Apple-style-span">&#8220;Als Wenn Wie Dass&#8221;</span>. </span><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Weil der aber in Wirklichkeit nichts kann, muss er (oder sie &#8211; selbstverständlich) sich die Fähigkeiten kaufen, und diese liegen, weil sie durch die Selektion gefallen sind und von sich nichts Bedeutendes vorstellen können, billig auf dem Markt. </span></p>
<p><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Für mich gliedert sich Kompetenz in die drei Bereiche: </span><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span"></span></p>
<ol>
<li><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">Können</span> – die Begabung, das was eine(r) ist, Fähigkeiten und Fertigkeiten</span></li>
<li><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">Dürfen</span> – das was eine(r/m) durch die Anderen zugelassen wird, der Freiheitsgrad, das Sein-Für-Andere</span></li>
<li><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"><span style="font-weight: bold" class="Apple-style-span">Wollen</span> – die Entschlusskraft, die Entscheidungsfähigkeit, die Fähigkeit, aus sich heraus zu handeln, die Subjektivität.</span></li>
</ol>
<p><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">diese Bereiche sind für mich auch gleichzeitig die Gliederung des Begriffs der Freiheit. </span> <span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span"></span></p>
<p><span style="font-weight: normal" class="Apple-style-span">Web 2.0 gibt den Einzelnen die Möglichkeit, im internationalen Kommunikationssystem alle drei Kompetenzbereiche zur Entwicklung zu nutzen. So wie in diesem Blog <img src='http://blogs.handout.de/philspass/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </span></p>
<hr size="2" width="100%" />Frau Reinmann ist auch im Kuratorium der <a rel="external" href="http://www.stiftung-erzaehlen.eu/3.html" title="Stiftung Erzählen">Stiftung Erzählen</a></p>
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		<title>Vor welchen Karren darf sich die Philosophie spannen lassen?</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 10:40:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Zusammenhang der Philosophie und der Philosophinnen und Philosophen zu politischen, moralischen oder anderen interessegeleiteten Verhaltenssteuerungen, wie sie in der Regel als &#8220;praktische Philosophie&#8221; bearbeitet und gelehrt wird, gehört zu den schmerzhaftesten Angriffspunkten denen sich die Philosophie auszusetzen hat. Nietzsche, dessen Genie dazu führte, selbst in seinen Scherzen oder in seinen Schmerzen (wie seinen &#8220;Krankheiten&#8221;) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zusammenhang der Philosophie und der Philosophinnen und Philosophen zu politischen,  moralischen oder anderen interessegeleiteten Verhaltenssteuerungen, wie sie in der Regel als &#8220;praktische Philosophie&#8221; bearbeitet und gelehrt wird, gehört zu den schmerzhaftesten Angriffspunkten denen sich die Philosophie auszusetzen hat. <strong>Nietzsche</strong>, dessen Genie dazu führte, selbst in seinen Scherzen oder in seinen Schmerzen (wie seinen &#8220;Krankheiten&#8221;) philosophisch weitreichend zu wirken (ähnlich wie es Liebermann über Degas sagte: &#8220;Der könnte auch in den Schnee pinkeln und es würde ein Kunstwerk daraus …&#8221; ), zeigt diesen Zusammenhang in diesem von ihm selbst arrangierten Foto, das ihn mit seinem Freund <strong>Paul Rée</strong> und ihrer gemeinsamen Angebeteten <strong>Lou Andreas-Salome </strong>zeigt, einer der wohl zu dieser Zeit (Anfang Mai 1882) interessantesten Frauen der Welt:</p>
<p><a rel="external" href="http://blogs.handout.de/kuechenphilosophie/files/nietzsche_lou_ree.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-560" src="http://www.philspass.de/wp-content/uploads/2007/01/nietzsche_lou_ree-201x300.jpg" alt="Nietzsche, Lou Andereas Salome, Ree" width="201" height="300" /></a></p>
<p>Was allemal auf den Philosophen wartet, ist bestenfalls die Peitsche, schlimmstenfalls die (mitunter verächtliche) Ablehnung oder Zurückweisung.</p>
<p>Natürlich haben Philosophen und Philosophinnen Bedürfnisse: sie müssen essen, wohnen, sich kleiden, brauchen sexuelle Befriedigung u.s.f., insofern sind sie unfrei in ihren Entscheidungen, hängen von anderen Menschen oder von Umweltbedingungen ab.</p>
<p>So müssen sie sich auch immer wieder nach dem Nutzen ihrer Tätigkeit fragen lassen. Nur für nützliche Tätigkeit gibt es von deren Nutznießern mitunter einen Gegenwert.</p>
<p>Die Erfindung der &#8220;praktischen Philosophie&#8221; mithin, so weit ich es verstanden zu haben glaube – die &#8220;wissenschaftliche Begründung&#8221;  der  Moral und des gesellschaftlichen Handelns (des Handelns gegenüber anderen Menschen) – ist ein solches Angebot an eventuelle Nutznießer auf dem Markt der Empfehlungen und Begründungen (post festum) für menschliches Verhalten.</p>
<p>Meines Erachtens aber ist diese Interessen begründende oder Interessen modifizierende Tätigkeit selbst <strong>keine</strong> philosophische Tätigkeit mehr. Sie geht über die philosophische Tätigkeit hinaus in einen Bereich, in dem sich auch die Physik oder die Mathematik tummelt.</p>
<p>Kein Wunder, dass auch <strong>Kant</strong>, als er an diesem Punkt angekommen ist, ähnlich wie für die Mathematik notwendig &#8211; Axiome (das Moralgesetz in mir) und daraus abgeleitete Postulate (Unsterblichkeit, Freiheit, Gott) &#8211; bestimmen muss und damit das Feld der Philosophie verlässt.</p>
<p>Dieser Fall kann abwertend als Verrat an der Philosophie oder als Rücksicht auf das Volk als die Nutznießer der Philosophie betrachtet werden, so wie es <strong>Heine</strong> scherzhaft darstellt: Nachdem Kant alle Götter habe blutig über die Klinge springen lassen habe ihm sein Diener Lampe leid getan. „Der alte Lampe muss einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nicht glücklich sein – der Mensch soll aber auf der Welt glücklich sein – das sagt die praktische Vernunft – meinetwegen – so mag auch die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen.“</p>
<p>Die Frage ist: &#8220;<strong>Soll oder darf Philosophie überhaupt praktisch werden?</strong>&#8221;</p>
<p>Ist es richtig (was heisst das wieder?) wenn die Philosophie in den Dienst bestimmter Interessengruppen tritt, sei es aus historischer Moral heraus für die Arbeiterklasse wie beim Marxismus-Leninismus oder sei es aus dem bloßen Hunger heraus für das Kapital &#8211; vertreten durch deren Agenten, die Kapitalisten oder sei es aus Angst heraus gegenüber für die jeweiligen Herrschenden?</p>
<p>Ich denke, dass sich Philosophie im Dienste von wem auch immer nur blamieren kann, so wie sie es in ihrer Geschichte auch immer getan und erlebt hat. Das hält jedoch die einzelnen Philosophen nicht davon ab, neben ihrer nützlichen Tätigkeit dem Entwicklungsprozess des philosophischen Denkens ihren Teil hinzuzufügen. Wichtig scheint es mir, zu unterscheiden zwischen diesen beiden Ergebnissen oder wenn man kann, zwischen diesen Tätigkeiten zu trennen.</p>
<p>Am gefährdetsten sind die &#8220;akademischen Philosophen&#8221;, also Leute, die für ihre Tätigkeit vom jeweiligen Staat bezahlt werden. Sie verlieren ihre Stelle sofort, sobald ihre Aussagen die Grundlagen des Staates in Frage stellen, der sie bezahlt.</p>
<p>Bei <strong>Hegel</strong> zum Beispiel heisst das, zu unterscheiden zwischen seinen gigantischen Denkergebnissen bei der Beschreibung der Dialektik und seinen schäbigen Denkversuchen bei der Begründung der damals bestehenden Herrschaftsverhältnisse  und der Erhaltung seiner eigenen Existenz (für die er sich dem Spott Schopenhauers und Nietzsches aussetzen musste, die selbst ihre Existenz als Rentiers, also von ihren Vermögen zahlten).</p>
<p><strong>Spinoza</strong>, einer der mir liebsten Philosophen der Neuzeit, ernährte sich vom Linsenschleifen, das einzelne Menschen sehend machte, seine Philosophie, die die ganze Menscheit sehend machte, brachte ihm nichts ein, wurde nicht einmal zu seinen Lebzeiten vollständig veröffentlicht.</p>
<p>Es ist gut, wenn der Philosoph für seine Tätigkeit auf nichts Rücksicht nehmen, vor nichts Angst haben muss. Den ganzen Philosophen wegzuwerfen oder zu verurteilen wegen des für ihn nützlichen aber unphilosophischen Teiles seiner Arbeit ist ebenso unsinnig, wie das Kind mit dem Bade auszuschütten, aber wer tut das schon …</p>
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