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	<title>Philspass &#187; Religion</title>
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	<description>Ein weiterer Handouts Blog</description>
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  <title>Philspass</title>
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		<title>Drei Stufen der Erkenntnis</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 07:21:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Axiome]]></category>
		<category><![CDATA[Erkenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Judas Iscariot]]></category>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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		<category><![CDATA[Zweifel]]></category>

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		<description><![CDATA[Drei Stufen gibt es im Erkenntnisprozess: Glauben &#8211; Reaktion Zweifel &#8211; Revolution Wissen &#8211; Konservation Durch diese Stufen müssen wir immer durch,  wir haben keine Chance, nicht beim einfachsten Gedanken, das Schlimmste was uns passieren kann ist, dass wir auf einer Stufe hängen bleiben (Gläubiger, Skeptiker, Lehrer). Nur der Weise (oder natürlich DIE Weise) kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Drei Stufen gibt es im Erkenntnisprozess:</strong></p>
<ol>
<li> Glauben &#8211; Reaktion</li>
<li>Zweifel &#8211; Revolution</li>
<li>Wissen &#8211; Konservation</li>
</ol>
<p>Durch diese Stufen <strong>müssen</strong> wir immer durch,  <strong>wir haben keine Chance,</strong> nicht beim einfachsten Gedanken, das Schlimmste was uns passieren kann ist, dass wir auf einer Stufe hängen bleiben (Gläubiger, Skeptiker, Lehrer). Nur der <strong>Weise</strong> (oder natürlich DIE Weise) kann aus diesem Prozess heraustreten UND gleichzeitig in der Spirale der Entwicklung der Erkenntnis aufsteigen.</p>
<p>Und dann geht es wieder von Vorne los, denn das <strong>Wissen wird Glauben</strong>.</p>
<blockquote><p><span id="more-499"></span><strong>Jegliches Wissen beginnt mit dem <em>Glauben</em>.</strong></p></blockquote>
<p>Wir lernen zu glauben, dass <strong>Eins</strong> existiert, dass die <strong>Arbeiterklasse</strong> die Rettung für die Menschheit bringen kann, dass die <strong>Partei</strong> immer recht hat, dass es einen <strong>Gott</strong> gibt, oder mehrere, dass es <strong>Atome</strong> gibt und <strong>Elektronen</strong>, dass Menschen vernunftbegabt sind, dass <strong>Mutti und Vati</strong> immer lieb sind und wenn, dann gerecht strafen. Überhaupt spielen Strafen in dieser Phase eine grosse Rolle.</p>
<p>Wir werden von <strong>Reaktionären</strong> erzogen! Und der wichtigste Teil dieser Erzieherinnen sind: <strong>Frauen</strong>. Schon mal darüber nachgedacht, warum gerade Frauen so gerne Lehrerinnen werden wollen, besonders für den Kindergarten, die Grundstufe? (Wie haben sich die Revolutionäre und die Feministinnen gewundert, als sie nach der Befreiung der Frauen feststellten, dass die Frauen natürlich reaktionär sind, Überträgerinnen der Tradition, Erzieherinnen der Machos unter denen sie dann später als Ehefrauen angeblich leiden &#8211; Die beliebtesten Witze, Ehefrauenwitze, Schwiegermutterwitze, kommen aus dieser Spannung).</p>
<p>Uns <strong>glauben zu machen</strong> ist die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer. In der Schule, wie auch immer sie geartet ist,  werden wir mit <strong>Namen, Zahlen, Daten, Fakten, Grundannahmen</strong>, <strong><a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Axiom" target="_blank">Axiomen</a>,</strong> mehr oder weniger aggressiv bekannt gemacht. Wer nicht glaubt und die Glaubenssätze nicht exakt wiedergibt, wird bestraft, mit dem Rohrstock, der Verweigerung des ewigen Lebens oder der Drohung mit dem ewigen Leben, der Hölle auf Erden oder der Hölle in der Zukunft (Aus dir wird sowieso nichts!) oder wenigstens schlechten <strong>Zensuren</strong>.</p>
<p>Diese Grundanahmen also werden mit <strong>Fremdworten (Fachsprache) und Autoritäten</strong> belegt: Es steht geschrieben &#8230;, Schon Einstein (Jesus, Moses, Goethe, Gauss &#8230;) hat gesagt &#8230;, der Grosse Führer lehrte uns &#8230; <strong>Die Lehrer der Menscheit sind immer gross</strong> (der grosse Buddha, der grosse Karl Marx) grösser als wir, so wie unsere Eltern einst waren, auch wenn sie uns körperlich kaum bis zu Nase gereicht hätten.</p>
<p>Dummköpfe welche ihrer eigenen Autorität nicht trauen, wie einige Diktatoren, benötigen deshalb auch Persönlichkeitsverstärker wie <a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tiara" target="_blank">hohe Mützen</a>, hohe Häuser oder grosse Autos, nicht um zu kompensieren, sondern um zu unterstreichen, was sie selbst nicht glauben.</p>
<p><strong>Diese Grundannahmen werden nicht belegt, nicht bewiesen.</strong> Ich habe ewig gebraucht um die Technik des mathematischen Beweises zu verstehen. (Wenn … dann) denn es wird eben zum Beispiel die Basis der mathematischen Behauptung der <strong>Infinitesimalrechnung</strong>: Gegeben <strong>sei</strong> eine Wesenheit (Entität), die nicht Null ist aber doch unendlich gegen Null geht, also etwas, was <strong>Null UND nicht Null</strong> ist, nicht bewiesen. Diese muss geglaubt werden.</p>
<p>Also statt: Ich beweise, dass Eins (Gott, Evolution, die Zibetkatze) existiert -&gt; Wenn ich annehme (glaube), dass Eins (Gott, Evolution, die Zibetkatze) existiert, dann kann ich ein ganzes Gebäude von  Wissen darauf errichten, <strong>in sich</strong> schlüssig, logisch und klar, <strong>herr</strong>lich. Mit diesem Gebäude kann ich dann weiter bis zu einem gewissen Grad der Genauigkeit die Welt erklären, Computer bauen, Seelen versorgen, trösten oder aufhetzen.</p>
<p>In dieser Stufe ist Zweifel unangebracht und wird von Lehrkräften erbittert verfolgt. Deswegen heissen sie auch Lehr<strong>kräfte</strong> und werden mit allen möglichen Mitteln vom Rohrstock bis zum Computer ausgestattet.</p>
<p>Die höchste Stufe des Gläubigen ist der <strong>Gelehrte</strong>, seine Perversion der Beckmesser.</p>
<blockquote><p><strong>„De omnibus dubitandum“ (lat.: An allem ist zu zweifeln)</strong></p></blockquote>
<p>Die schlimmste Frage, die eine Schülerin einem Lehrer stellen kann ist: Wirklich? Woher wissen Sie das? Will sie nicht weniger als der Lehrer sein, muss sie Autoritäten umstossen, Lehrsätze widerlegen, Glaubenssätze hinterfragen.</p>
<p>Plötzlich stellt sich heraus, dass der heilige Lehrer mit der Lehrerin ein Verhältnis hat, der grosse Führer gelegentlich aufs Klo muss oder andere Sch… baut, die grosse Wahrheit auf wackligen Füssen steht, die <strong>Namen</strong> ausgedacht, die <strong>Zahlen</strong> gefälscht, die <strong>Fakten</strong> in der Erinnerung verwechselt,<strong> die Grundannahmen</strong> &#8211; <strong>Axiome </strong>absurd sind und, mehr noch gerade wegen der Absurdität geglaubt wurden (<a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Credo,_quia_absurdum_est" target="_blank">credo quia absurdum</a>).</p>
<p>Kluge Regierungen wissen, dass <strong>einen revoutionären Gedanken zu drucken der kürzeste Weg ist, ihn zu erledigen</strong>. Vielleicht machen es Diktatoren in ihrer unendlichen und unbegreiflichen Weisheit den Revolutionären mit Zensur, Redeverboten und Druckverboten gerade deshalb so schwer, weil sie wissen, dass die Ideen, welche wirklich tragfähig sind (Ach es ist so viel Geschwätz da draussen, meines natürlich gehört nicht dazu!) nur im Widerstand, in der Ver<strong>zweifl</strong>ung reifen können und sich doch letztendlich durchsetzen werden? Vielleicht opfern sich Zensoren auf, zerstören ihren Ruf wie <a rel="external" href="http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/e/referenz/47923///cache/d77c77f7bb/">Judas</a>, töten die Propheten um die Prophezeiung wahr werden zu lassen und bekannt, bevor der Prophet selbst alt wird und seine Ideen relativiert oder zurücknimmt? Kaum etwas ist hässlicher als ein alter Revolutionär.</p>
<p>Sollten wir <strong>Judas Iscariot</strong> dafür wirklich hassen, dass er es Jesus von Nazareth möglich gemacht hat, die Rolle des Lamms zu spielen, getötet und konserviert, lesbar zu werden? (Vgl. auch &#8220;Der Fall Judas&#8221; von Walter Jens, auch <a rel="external" href="http://www.daskirchenjahr.de/tag.php?name=judasiskariot&amp;zeit=HeiligeWoche" target="_blank">hier</a> und <a rel="external" href="http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2009/08/03/090803crat_atlarge_acocella">hier</a>). Ich weiss, das klingt zynisch, aber das ist eine der Rollen des Wissenschaftlers, zynisch zu sein, weil er und manchmal auch sie, wissen wie das so läuft, das Leben und alles. Daher die <a rel="external" href="http://www.witzepur.de/arzt.php" target="_blank">zynischen Witze</a> der Ärzte.</p>
<p>Welten brechen zusammen, Gesellschaftssysteme geraten ins Wanken, <a rel="external" href="http://www.miriup.de/spur/3.1.html" target="_blank">Materie verschwindet</a>, neue Religionen entstehen (<a rel="external" href="http://www.google.com/search?q=Es+steht+geschrieben%2C+ich+aber+sage+Euch&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Es steht geschrieben, ich aber sage Euch</a>!). Die Ehefrau (oder manchmal auch der Mann) ist <strong>nicht</strong> treu, überhaupt wird alles plötzlich unklar unscharf, undeutlich, selbst das Geschlecht wird unklar und wir wissen nicht mehr ob wir Männchen oder Weibchen sind.</p>
<p>Am Ende liest sich die Welt wie das Buch eines<a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus" target="_blank"> französischen Strukturalisten</a>, klug, aber unverständlich.</p>
<p>In dieser <strong>Pubertät des Denkens</strong> werden wir alle Revoutionäre, wir pfeifen auf die Tradition, tun genau das, was uns verboten wurde, sägen an Stühlen, öffnen verbotene Türen oder treten sie ein, verlassen Vater und Mutter wegen verrückter Ideen (die wir vorher selbst ver-rückt haben wie alte Möbel um den Dreck darunter hervorzukehren oder den Schatz zu finden), werden <strong>Ein Fleisch</strong> mit <a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sophia" target="_blank">Sophia</a> , die sich als ein Flittchen herausstellt, das  mit jedem und jeder schläft und auch noch Spass und nicht die geringsten Bedenken dabei hat. Die <strong>Liebe</strong> ist hier in ihrer heissesten Phase, das ewig Weibliche zieht uns hinan oder hinab, meistens Beides in Wechselbädern der Gefühle.</p>
<p><strong>Die Revolution ist weiblich, </strong><strong>so lange, bis die Kinder kommen</strong>, die neuen Erkenntnisse, die gepflegt werden müssen und versorgt, so lange sie und weil sie so zart, so zerbrechlich, so hart errungen.</p>
<p>Die Kinder sind das neue Wissen, die Erkenntnis.</p>
<blockquote><p><strong>Das <em>Wissen</em> ist  das Ende des Zweifels</strong></p></blockquote>
<p>Nachdem wir ganz genau nachgesehen, den Vorhang gehoben, unter den Rock geschaut, die Eingeweide gelesen, die Zeichen gedeutet, die Säulen umgestossen, die Werte umgewertet, die Eltern widerlegt, Erfahrungen gemacht haben, müssen wir unsere <strong>neuen Erkenntnisse</strong> schützen, bewahren, mitteilbar machen.</p>
<p>Wir haben Überzeugungen gewonnen, unsere Zeugen sind durch unsere Erfahrungen <strong>Über-Zeugt</strong> worden. Wir haben in unseren wilden Nächten gezeugt und nun sind sie da, die Kinder, die Früchte unserer Erkenntnis, unser Herzblut, unsere Babies. Und diese sind schwach, zarte Pflänzchen.</p>
<p>Wir erzeugen <strong><em>neue</em> Namen, Zahlen, Daten, Fakten, Grundannahmen</strong>, <strong>Axiome.</strong></p>
<p>Wir nennen sie <strong>Neu</strong>. Wir nennen sie <strong>Fortschritt</strong>, wir nennen sie <strong>Entwicklung</strong>, wir nennen sie <strong>wahres Wissen</strong>. Wir schreiben sie fest in Büchern. Wir lehren sie den Lehrern. Wir machen sie konservierbar. Was wir mitunter vergessen, ist, dass die Konserve tot ist. <strong>Bücher sind die Särge des Wissens</strong>, Bibliotheken Friedhöfe, in denen wir mit den Toten sprechen.</p>
<p>Damit können nun auch unsere reaktionären Lehrer wieder leben, sie bezahlen die Bibliotheken, sie bezahlen die Universitäten. Totes Wissen ist nicht mehr so gefährlich, ein Teil der Toten wird für einige Zeit in gesonderte Bereiche (restricted Areas, Giftschränke) ausgelagert. Mit grosser Vorsicht werden sie adaptiert, umgedeutet, angepasst und eingepasst, werden sogar hoffähig. <a rel="external" href="http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/11/01/stephen-hawking/papst-trifft-kluegsten-menschen-der-welt.html" target="_blank">Hawkins darf den Papst treffen</a>, Richard Dawkins wird gedruckt.</p>
<p>Tja, und dann geht alles wieder von vorne los. Wissen wird geglaubt, Glaube wird bezweifelt, Zweifel wird verifiziert zu Wissen. Wenn wir Glück haben, wird das Wissen mehr, manchmal steht aber am Ende der Nichtung des Wissens auch nur die Erkenntnis von der Nichtigkeit alles Wissens. Das sind die Fälle, wo die besonders reinen Formeln entstehen, die sich dann in <strong>Zitate</strong> verwandeln:</p>
<blockquote><p><em></em><em>E = mc<sup>2 </sup></em><sup>(Einstein)</sup></p>
<p>&#8220;Cogito, ergo sum&#8221;<sup>(Descartes)</sup></p>
<p>&#8220;Die Proletarier dieser Welt haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!&#8221;<sup>(Marx/ Engels)</sup></p>
<p><em>„Erkenntnis der Einheit aller Wesen und Askese, Verneinung des Willens zum Leben allein kann uns erlösen, nicht der Selbstmord, der nur die individuelle Erscheinung des Allwillens vernichtet“</em> <sup>(Schopenhauer)</sup></p></blockquote>
<p><strong>Das Zitat ist der Moment, in dem sich Wissen in Glauben verwandelt.</strong></p>
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		<title>Meinungen und Fakten</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2009/02/16/meinungen-und-fakten/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Feb 2009 07:28:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf meiner Reise nach Indien sagte eine sehr kluge Frau zu mir: &#8220;You are very opinionated&#8221;, also etwa: du hast zu allem eine feste Meinung. Ich dachte darüber nach. Mein ganzes Leben lang habe ich die Erfahrung gemacht, dass nur eine kleine Anzahl von Personen auf eine Meinung mit einer fundierten Diskussion antworteten, die weitaus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf meiner Reise nach Indien sagte eine sehr kluge Frau zu mir: &#8220;You are very opinionated&#8221;, also etwa: du hast zu allem eine feste Meinung.<br />
Ich dachte darüber nach. Mein ganzes Leben lang habe ich die Erfahrung gemacht, dass nur eine kleine Anzahl von Personen auf eine Meinung mit einer fundierten Diskussion antworteten, die weitaus grössere Zahl aber mit Ausweichen oder gar Hass reagierte. Vielleicht war es ja auch ich selbst, der zu sehr auf einer Meinung beharrte, vielleicht sollte ich eher nachgeben, dachte ich, vielleicht sollte ich gar nicht erst eine Meinung äussern um nicht in Gefahr zu geraten?</p>
<p>Nun glaube ich die Ursache dieses für mich befremdlichen Verhaltens zu wissen: Für mich ist, so hoffe ich, eine Meinung der <strong>Startpunkt </strong>für Denken, mein Nach-denken ist in der Regel ein Denken-Nach-einer-Meinung, sei es meine eigene oder die Meinung eines anderen Menschen. Für viele Menschen aber ist eine Meinung der <strong>Endpunkt </strong>ihres Denkens, bei dem sie zu glauben beginnen. Wenn sie sich ihre eigene Mein-ung gebildet haben (durch Bildung, wie durch die Aneigung), beginnen sie diese Meinung (wie einen Besitz) so lange zu verteidigen, bis sie sie für eine Wahrheit halten. Diese Verteidigung ist dogmatisch, also gedankenlos, ohne Weiterentwicklung.</p>
<p>Genau das geschieht mit Religionen und Ideologien. Alle grossen Religionsstifter oder Ideologiebegründer wie auch Karl Marx hatten versucht, mit ihren Meinungen Denken anzustiften, aber alle grossen Religionen und Ideologien wurden, sobald sie sich mit Macht verbanden, dogmatisch. Das ist soweit auch notwendig, weil Macht feste Regeln benötigt.</p>
<p>Aber Wissenschaft ist das nicht mehr, es ist Politik. Deshalb ist Wissenschaft zwar machtbegründend, nicht aber machterhaltend. Machterhaltung ist immer mit Glauben und Vertrauen verbunden, Wissenschaft immer mit Zweifel und Kritik.</p>
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		<title>Die Gretchenfrage nach dem Glauben</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2007/08/20/die-gretchenfrage-nach-dem-glauben/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Aug 2007 08:34:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Gretchenfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Letztens im Garten auf einer Party wurde mir die Gretchenfrage gestellt. Ihr wisst schon, die Frage: Gretchen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“ Als Faust ausweicht, fragt sie nach: „Glaubst du an Gott?“ und „So glaubst du nicht?“ Wonach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztens im Garten auf einer Party wurde mir die Gretchenfrage gestellt. Ihr wisst schon, die Frage:</p>
<blockquote><p>Gretchen: <em>„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“</em></p>
<p>Als Faust ausweicht, fragt sie nach: „<em>Glaubst du an Gott?</em>“ und „<em>So glaubst du nicht?</em>“</p></blockquote>
<p>Wonach wird da eigentlich gefragt? „<em>Glaubst du an Gott?</em>“ Auf meine Nachfrage, was unter Glauben und was unter Gott verstanden wird, gab es Verständnislosigkeit und, vor allem, keine Antwort.</p>
<p><em>Glaube</em> steht in meiner Begriffswelt als Gegenbegriff zu <em>Wissen</em>. Glauben muss ich was ich (noch) nicht weiß.</p>
<p>Gott und die Götter steht für das was ich nicht anders benennen kann. Das Wort &#8220;Gott&#8221; ist ein Platzhalter. Sobald ich einen Begriff einer Sache habe, benötige ich diesen Platzhalter nicht mehr.</p>
<p>Nur noch wenige Menschen auf der Welt benötigen den Gott Zeus um Blitze zu bezeichnen.</p>
<p>Zeus ist jetzt anders ausdrückbar: Naturerscheinung, elektrische Entladung. Plasma. Mit einem Blitzableiter sind die schrecklichsten Folgen dieses Naturereignisses zu verhindern oder zumindest zu mildern. Es gibt also eine vernunftgeborene Maschine, den Blitzableiter, die den Blitz unter die Macht der Menschen stellt. Damit hört der Blitzeschleuderer Zeus auf zu existieren.</p>
<p>Was bedeutet die Frage &#8220;Glaubst du an Gott?&#8221; also wirklich? Sie bedeutet: Gehörst du zu uns? Unterwirfst du dich unserer Denkbeschränkung? Bist du genauso wie wir bereit, <em>nicht</em> mehr weiter zu denken? <em>Bist du genauso wie wir? </em>Das ist genau der Punkt, bei dem die Religion ins Spiel kommt. Das Versammeln in einer Kirche, die Gemeinsamkeit ist anscheinend nur möglich, wenn nicht weiter gefragt, nicht weiter gebohrt, nicht weiter gedacht wird. Das Dogma ist verbindend.</p>
<p>Was mir bei den praktizierten Religionen oft fehlt, ist die Lockerheit, der Pragmatismus, mit der z. B. die Mathematiker, deren Wissenschaft ähnlich wie eine Religion aufgebaut ist, an die Dogmen ihrer Wissenschaft &#8211; hier heissen sie Axiome, herangehen.</p>
<blockquote><p>Ein Mathematiker sagt: <em>&#8220;Nehmen wir mal an, es gäbe, entgegen den Vorstellungen unseres gesunden Menschenverstandes und der formalen Logik, eine Zahl die nicht Null aber auch nicht etwas ist. Nennen wir diese Zahl d. Nun können wir  die Infinitesimalrechnung auf dieser Zahl aufbauen und eine ganze Menge von praktischen Problemen der Kurvenberechnung in praktisch verwendbarer hinreichender Genauigkeit lösen, die wir mit dem gesunden Menschenverstand und der formalen Logik bisher nicht lösen konnten.&#8221;</em></p></blockquote>
<blockquote><p>In der Religion hieße das in der selben Sprechweise: <em>&#8220;Nehmen wir an es gäbe eine Wesenheit, die Wirkung auf uns ausübt (als Fatum) und auf die wir wirken können (durch unser Verhalten und/ oder unsere Gebete). Nennen wir diese Wesenheit Gott. Dann können wir mit diesem Gott eine ganze Reihe sonst unlösbarer moralischer und gesellschaftlicher Probleme, wie z. B. die Überwachung des heimlichen Handelns (Gott sieht alles!), einen allgemein verbindlichen Verhaltenskodex (christlich, islamisch), eine Sicherung von Sitten, lösen.&#8221;</em></p></blockquote>
<p><em>Also, wie hältst du es nun mit der Religion?</em></p>
<p>Ich beobachte. dass die Religion als Zuchtwerkzeug und Trost für die Massen wirkungsvoll, also nützlich für jede Art von Herrschaft ist. Sie wirkt ausserdem als <a rel="external" href="http://wordpress.handout.de/index.php/2007/07/31/ueber-religion/trackback/">Opiat</a>, also beruhigend.*</p>
<p>Die Kirche dagegen ist nur eine Form der Nutzung von Religion für Macht &#8211; eben weil sich die Kirche als die Vereinigung von Menschen versteht. **</p>
<p>Ich benötige sie nicht. Ich achte sie als Quelle für Kreativität und Kultur (wie des schönen Gebäudes im Kopf dieses Blogs, der Akropolis). Ich würde, im Gegensatz zu den Glaubenskriegern jeder Farbe, nie eine Kirche zerstören.</p>
<p>Als Fessel für menschliches Denken halte ich Glauben und Religion für gefährlich. Als Basis für menschliches Verhalten und hinreichend sicherer Ausgangspunkt für Gedankengebäude im Sinne eines mathematischen Axioms ist sie zweckmäßig. Zweckmässig ist aber auch ein Dolch, um Menschen zu ermorden, zweckmäßig ist Brot um Menschen  zu ernähren. Zweckmäßig heißt noch lange nicht gut. Die Form der Religion ist dabei zweitrangig, wenn nicht sogar zu vernachlässigen. Ein Krieg zwischen den Religionen um Vorherrschaft ist unsinnig und immer verlogen.</p>
<p>Es geht also um die Verwendung der Religion wie um die Verwendung eines Dolches, die über meine Stellungnahme entscheidet.</p>
<p>Eine Religion, die Menschen zusammenführt, Verständnis und Zusammenarbeit ermöglicht, ihnen Hoffnung macht und in schwierigen Zeiten eine sichere Stütze ist, ist ebenso gut und nützlich wie das Einmaleins, das ich benutze, um meine Finanzen zu berechnen oder meine Bücher zu zählen. Ebensowenig, wie ich das Einmaleins benutzen würde, um komplizierte Kurvenberechnungen zu machen oder einen Weltraumflug zu planen, ebensowenig würde ich mich mit den Mitteln der Religionen zufriedengeben, um meine persönlichen und alltäglichen Probleme zu lösen oder mir Gedanken um die Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse zu machen.</p>
<p>Wie halte ich es also mit der Religion? So weit sie reicht nutze ich sie auch, wenn sie nicht reicht, bin ich bereit ihre Grenzen zu überschreiten, und andere Möglichkeiten auszuprobieren.</p>
<p>&#8212;-</p>
<p>*Anmerkung: <a title="Blumes Gretchenfrage" href="http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/3151868/" target="_blank">Dr. Blume</a> (dessen Blog ich mit Interesse lese und den ich auf Grund seines Wissens empfehlen kann) nimmt an, dass die Gretchenfrage eher die nach sexueller Sicherheit ist. Seine Vorstellung scheint zu sein: Ist er religiös, ist er auch treu und steht zu seinem Kinde. Nun, treu kann ein Mensch auch ohne Religion, gar ohne Trauschein sein, und untreu kann er oder sie auch mit der Religion sein. Nicht umsonst ist Ehebrecherei in allen Religionen eine der am schärfsten verfolgten Sünden. Würden die Gläubigen nicht massenhaft ehebrechen, bräuchte man solch eine Regel gar nicht.</p>
<p>** Anmerkung 2 und hier die andere Seite des Christentums:<br />
<a rel="external" href="http://www.deschner.info/" target="_blank"> Deschner, der Kirchenkritiker</a><br />
und hier eine Sendung über ihn:<br />
Teil 1:</p>
<p>Teil 2:</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Religion und andere Opiate</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2007/07/31/ueber-religion/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Jul 2007 15:28:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Marx]]></category>
		<category><![CDATA[Opium]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Vieles, was sich über Religion sagen lässt, erschließt sich aus dem Umgang mit einem Satz von Karl Marx, den er als junger Mann schon gefunden hat. Marx sagt: &#8220;Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.&#8221; (Zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vieles, was sich über Religion sagen lässt, erschließt sich aus dem Umgang mit einem Satz von Karl Marx, den er als junger Mann schon gefunden hat. Marx sagt:</p>
<blockquote><p><strong><font size="-1">&#8220;Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium <em>des</em> Volks.&#8221;</font></strong> (<font size="-1">Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. <a rel="external" href="http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm">Marx/Engels-Werke, Bd. 1, 378ff.</a>)</font></p></blockquote>
<p>Das Eigenartige ist, dass dieser Satz in der Regel falsch zitiert wird, nämlich als: &#8220;Religion ist Opium <strong>für das</strong> Volk.&#8221;</p>
<p>Dabei liegt in der Art der Auffassung des Textes die Grundhaltung zur Religion:</p>
<p>Für <strong>Karl Marx</strong> ist Religion etwas, das das Volk <strong>für sich selbst </strong>macht, ebenso wie Opium, Alkohol und andere Rauschmittel um seine Ketten ertragen zu können oder wie Blumen, um die Ketten wenigstens zu verschönern.</p>
<p>Für die <strong>Falschzitierer</strong> ist Religion etwas, <strong>das Andere</strong> (der Staat, die Kirche, die drei &#8220;Betrüger&#8221; Jesus, Buddha und Mohammed &#8211; nach einer <a rel="external" href="http://de.wikipedia.org/wiki/De_tribus_impostoribus" title="De tribus impostoribus - Wikipedia">Streitschrift</a> aus dem 16. Jahrhundert <a rel="external" href="http://www.fh-augsburg.de/~Harsch/Chronologia/Lspost17/Mueller/mue_impo.html" title="Lateinischer Text">[auch hier]</a> ) <strong>für das Volk gemacht</strong> haben um es zu verdummen und durch Angst klein  zu halten.</p>
<p>In seinem Fall hoffte  Marx, durch Schulung, Aufklärung, Wissenserweiterung dem Volk die Ketten unter den Blumen sichtbar zu machen. Er war sich der Härte dieser Massnahme bewußt. Ebenso wie ein Alkoholkranker oder ein Opiumsüchtiger alles tun wird, um seinen berauschten Zustand wiederherzustellen, wird auch das Volk immer wieder dazu tendieren, sich alte und neue Religionen zu schaffen, so wie es sich trotz Verboten und Verfolgung Alkohol selbst brennt oder Haschisch selbst zieht. Was er nicht ahnte, war, <strong>dass auch der Kommunismus vom Volk zur Religion gemacht werden würde</strong>.</p>
<p>Vom Standpunkt der Falschzitierer &#8211; die sich in allen Lagern finden, von den Feinden des Marxismus bis hin zu den sich selbst so nennenden Marxisten &#8211; muss gegen die Volksverdummung mittels Religion  angegangen werden. Die &#8220;Verdummer&#8221;: Theologen, Priester, Imame, Mönche, Lamas werden zu Verbrechern gestempelt, die vernichtet werden müssen, deren Einrichtungen, Kirchen, Moscheen u.s.w. zerstört gehören. Den Betrügern muss das Handwerk gelegt werden.</p>
<p>Wie wir aus der Geschichte sehen, haben sich, auch unter dem Namen des Kommunismus, die Falschzitierer, die Vertreter der Betrugshypothese durchgesetzt.</p>
<p>Dass das weder Marx meinte noch Marxismus ist liegt auf der Hand. Es ist eine These, die in der Ursprungszeit der bürgerlichen, der kapitalistischen Welt entstanden ist und von bürgerlichen Theoretikern und Religionskritikern immer wieder vertreten wird, auch wenn diese sich Marxisten oder Kommunisten nennen.</p>
<p><em>Die Betrugshypothese ist <strong>keine</strong> marxistische Aussage, sondern eine <strong>vulgärbürgerliche Hetzparole</strong>, die zum Tode von vielen geistreichen und klugen Menschen geführt hat, zur Zerstörung von kulturellen Werten &#8211; und das war wohl auch das eigentliche Ziel dieser Parole und das ihrer Nutzer.</em></p>
<p>Kein Wunder, dass sich alle Diktatoren, ob Stalin oder Hitler oder Mao in dieser Sache einig waren.</p>
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