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	<title>Philspass &#187; Popanztechnik</title>
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  <title>Philspass</title>
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		<title>Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 19:41:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Adenauer]]></category>
		<category><![CDATA[Britney Spears]]></category>
		<category><![CDATA[Ideale]]></category>
		<category><![CDATA[Paris Hilton]]></category>
		<category><![CDATA[Popanztechnik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie sehr darf ein Fachmann auf seinem Gebiet fehlen? Diese Frage zielt nicht nur auf die Anerkennung oder Aberkennung von Kompetenz, sondern auch auf die Anerkennung und Aberkennung des Rechtes, etwas anders als erwartet oder gar falsch zu machen. Den Lehrern guckt man genauer auf die Kinder, dem Pfarrer genauer auf das Vieh: Wenn der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sehr darf ein Fachmann auf seinem Gebiet fehlen? Diese Frage zielt nicht nur auf die Anerkennung oder Aberkennung von Kompetenz, sondern auch auf die Anerkennung und Aberkennung des Rechtes, etwas anders als erwartet oder gar falsch zu machen.</p>
<p>Den Lehrern guckt man genauer auf die Kinder, dem Pfarrer genauer auf das Vieh: Wenn der nicht einmal seine Kinder erziehen kann, wie soll er dann meine Kinder erziehen? Wenn der mit der Hilfe Gottes kein gesundes und fettes Vieh hinkriegt, wie soll er denn mir für mein Vieh Gottes Segen erwirken?</p>
<p>Die Topoi der Sprache sind dazu: &#8220;Das hätte ich von dem (dir) nicht erwartet!&#8221; &#8220;Die kochen auch nur mit Wasser!&#8221; &#8220;Wie konntest du nur!&#8221;.</p>
<p>Das wirkliche Problem liegt, wie so oft, in der Technik unausgesprochener Prämissen, die natürlich in der Regel erst <strong>nach</strong> dem zu kritisierenden Akt, also erst <strong>nach</strong> dem Sündenfall formuliert werden.</p>
<p>Das Verbot, den Apfel zu essen, wird also erst formuliert, nachdem der Apfel genommen wurde, und dann rückdatiert. Schliesslich muss der Sündenfall auch wirklich passieren, sonst wäre die Kritik eine Lüge oder grundlose Unterstellung.</p>
<p>Vom Lehrer z. B. wird deshalb angenommen, dass seine Erziehung vollkommen ist, <strong>damit</strong> ihm bei der ersten Spur der Unvollkommenheit durch einen Falsifizierungsschritt Unfähigkeit vorgeworfen werden kann. Die Auszahlung ist gleich mehrfach:</p>
<ol>
<li>Ich kann mich am Lehrer für seine Übermacht im Unterricht rächen,</li>
<li>Ich kann meinen eigenen Unfähigkeiten gegenüber nachsichtig sein: &#8220;Wenn es nicht mal der Lehrer kann …&#8221;</li>
<li>Ich habe die Genugtuung, den Vorschlägen der Lehrer nicht folgen zu müssen &#8211; ich behalte die Entscheidungsmacht bei mir.</li>
<li>Ich habe den Genuss, Ansprüche stellen zu können ohne diese selbst je erfüllen zu müssen.</li>
<li>Ich genieße die Schadenfreude doppelt, einmal überhaupt und zum zweiten nach &#8220;oben&#8221;</li>
</ol>
<div>Die Technik die hinter diesem Verhalten steht, ist die von mir so genannte <strong>Popanztechnik</strong>:</div>
<blockquote><p>Person A definiert das Verhalten von Person B (oder von der Personenklasse B) unabhängig von objektiven Kriterien, vorwiegend nach seiner Meinung in ein Idealbild, dessen Geltung der Person B unterstellt wird. Das ist der Popanz. Dieses Idealbild, welches in Wirklichkeit das Idealbild von A ist, wird als Idealbild von B behandelt. Dann wird das Idealbild falsifiziert und B als nicht &#8220;seinem&#8221; Ideal entsprechend abgeschossen.</p>
<p>A steht als unabhängiger, objektiver Kritiker mit dem Recht auf seine Meinung und B als begossener Pudel da.</p></blockquote>
<p>Dieses Spiel ist weiter verbreitet als möglicherweise sichtbar ist. Journalisten, vor allem die Sparte Enthüllungsjournalisten der Yellow Press nutzen Moralvorstellungen, die sie als allgemeingültig ausgeben und deren Nichterfüllung ihren Opfern vorwerfen. Ein unendliches Geschäft, weil es die Massen, die selbst alles andere als moralisch handeln, hinter sich hat. Angestellte gegen ihre Vorgesetzten, das Volk gegen seine Politiker, die Hausfrau gegen Prinzessin Sowieso, die Schüler gegen ihre Lehrer, die Professionen gegen einander – das Spiel durchzieht alle Schichten.</p>
<p>Aber auch im kleinen (Kollegen-)kreis wird das Spiel gerne gespielt. Entgehen kann man diesem Spiel nur durch hemmungslose Offenheit, zynische Bemerkungen (Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern &#8211; Adenauer zugeordnet) oder ebenso hemmungslosen Verzicht auf jegliche Moral, wie es uns vor kurzem Paris Hilton und Britney Spears vormachten.</p>
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		</item>
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		<title>Anleitung für die (pseudo-) akademische Diskussion</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2008/01/14/pseudo-akademische-diskussion/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Jan 2008 22:59:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[akademische Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[dialektische Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Popanztechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich noch in der Gelegenheit war, an sogenannten &#8220;akademischen&#8221; Diskussionen teilzunehmen, also Diskussionen von Wissenschaftlern oder vielmehr solchen, die sich dafür halten, fiel mir oft auf, dass bei einigen dieser Diskussionen bestimmte Regeln zu gelten schienen. Für mich, der ich eine dialektische Diskussionsweise bevorzuge, die vor allem darin besteht, in einer Diskussion einen bestimmten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich noch in der Gelegenheit war, an sogenannten &#8220;akademischen&#8221; Diskussionen teilzunehmen, also Diskussionen von Wissenschaftlern oder vielmehr solchen, die sich dafür halten, fiel mir oft auf, dass bei einigen dieser Diskussionen bestimmte Regeln zu gelten schienen. Für mich, der ich eine dialektische Diskussionsweise bevorzuge, die vor allem darin besteht, in einer Diskussion einen bestimmten oder irgendeinen der logischen möglichen Standpunkte so lange zu verteidigen und &#8220;durchzuhalten&#8221;, bis ich von dessen Unrichtigkeit, Ungenauigkeit oder gar Falschheit (letzteres geschieht aber in der dialektischen wissenschaftlichen Diskussion eher selten) überzeugt bin und dann sofort oder in ganz kurzer Zeit diesen Standpunkt zu revidieren (was mir mitunter vorgeworfen wurde) war diese Erfahrung eher verletzend und hat mir ein tiefes Misstrauen in die akademische Diskussion eingeflößt.Solche Regeln waren:
<ol>
<li>Rede niemals als Erster</li>
<li>Sobald jemand doch einen Standpunkt geäussert hat, kritisiere diesen Standpunkt mittels einem dieser drei Vorwürfe:
<ol>
<li>&#8220;Du vereinfachst zu stark&#8221; oder &#8220;diese Vorstellung (Definition) ist zu eng gefasst&#8221;</li>
<li>&#8220;Du verkomplizierst zu stark&#8221; oder &#8220;diese Vorstellung (Definition) ist zu weit gefasst&#8221;</li>
<li>Du zerredest alles (dies ist natürlich eine Killerphrase)</li>
</ol>
</li>
<li>Frage nie nach (Habe ich Sie richtig verstanden?), sondern greife an: &#8220;Sie haben behauptet … (gesagt …)&#8221;</li>
<li>Richte deinen Angriff auf Nebenbemerkungen oder noch besser stütze ihn auf eine Unterstellung (Popanztechnik). Nur in den seltensten Fällen (oder wenn eine Audioaufnahme mitläuft) kann der Sprecher oder die Sprecherin sich noch erinnern, was sie oder er gesagt hat. Davor schützt auch ein vorgelesenes Manuskript nicht, weil ja kleine Wörter wie Negationen überhört oder unverständlich ausgesprochen werden können. Falls die Aufnahme überprüft wird, kannst du dich immer noch herausreden oder entschuldigen, der Redner ist auf jeden Fall verwirrt.</li>
<li>Sobald du über andere redest, lass dich nicht unterbrechen, weil eine Unterbrechung bedeuten könnte, dass du selbst angreifbar wirst.</li>
<li>Formuliere daher nie deutlich oder gar verständlich, arbeite alle möglichen logischen Varianten in deinen Vortrag ein und benutze dabei immer wieder die Formulierungen &#8220;Und ich sage das ganz deutlich …&#8221;, &#8220;Wie Sie wissen …&#8221;, &#8220;bekanntlich&#8221;. Diese Formulierungen in die Rede eingestreut müssen sich dabei auf Schriften beziehen, die mit möglichst grosser Wahrscheinlichkeit niemand ihrer Hörer jemals gelesen hat oder zu Gesicht bekommen wird.</li>
</ol>
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