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	<title>Philspass &#187; Nietzsche</title>
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  <title>Philspass</title>
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		<title>Die Mauer ist nicht gefallen</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 19:21:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Dialektik]]></category>
		<category><![CDATA[Marx]]></category>
		<category><![CDATA[Mauer]]></category>
		<category><![CDATA[Nietzsche]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist interessant, die Wortwahl zu historischen Ereignissen über die Jahre zu vergleichen. So: &#8220;Der Fall der (Berliner) Mauer 1989&#8221; der jetzt mit den zwanzigsten Jahrestag gefeiert wird. Wer sagt das? Oft gerade diejenigen, welche am Wenigsten für die Zerstörung der Mauer getan haben und oft auch jetzt noch am meisten dafür tun, die Mauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist interessant, die Wortwahl zu historischen Ereignissen über die Jahre zu vergleichen.</p>
<p>So: &#8220;<strong>Der Fall der (Berliner) Mauer 1989</strong>&#8221; der jetzt mit den zwanzigsten Jahrestag gefeiert wird.<br />
<a title="Der &quot;Fall&quot; der Berliner Mauer bei google" href="http://www.google.com/search?q=der+fall+der+berliner+mauer&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Wer sagt das</a>? Oft gerade diejenigen, welche am Wenigsten für die Zerstörung der Mauer getan haben und oft auch jetzt noch am meisten dafür tun, die Mauer aufrecht zu erhalten.</p>
<p>Ich bin der Meinung, das war damals <strong>kein Naturprozess</strong>, der den Menschen zugestossen ist, sondern eine <strong>aktive Tat und Entscheidung</strong> praktisch der gesamten Bevölkerung der DDR. Es ist <strong>dem Westen zugestossen</strong>, so wie es schon beim Bau der Mauer war.</p>
<p>Auch damals hatten die Adenauer&#8217;s und die Krenze vorher und währenddessen geschlafen und nichts bemerkt, aber dafür später mehr oder weniger erfolgreich versucht, ihren Profit aus der Existenz dieses Bauwerks zu schlagen, so wie die Enkel Adenauers aus seiner Zerstörung auch.</p>
<p>Der Bau wie die Zerstörung der (Berliner) Mauer war Menschenwerk, bewusstes massenhaftes Handeln, oft unter akuter Gefahr für Leib und Leben. Das Phänomen der <a title="Mauerspechte Fotos" href="http://www.medienarchiv.com/Berlin/Berliner%20Mauer/page5.htm" target="_blank">&#8220;Mauerspechte&#8221;</a> zeugt davon, wie wenig beherrschbar durch Einzelherrscher solche Prozesse sind. Wer diese deshalb aber jetzt zu einem Naturprozess umredet, gibt ironischer Weise den stalinistischen, vulgärmarxistischen Interpreten von Karl Marx recht, welche historische Bewegungen auf  naturgeschichtliche Prozesse reduzieren möchten und so Erdbeben, Pest, Kriege und Revolutionen auf die gleiche Stufe stellen.</p>
<p>Wir wissen, wer es liebt, vom <strong>Ausbruch</strong> von Kriegen zu reden und wer auf der anderen Seite vorzieht, Kriege als von Menschen angezettelt, vorbereitet und &#8220;vom Zaune gebrochen&#8221; zu bezeichnen.</p>
<p>Was hier nicht verstanden wird oder verstanden werden will, ist die <strong>Dialektik</strong> der ganzen Sache, in der sich <strong>über das freie Handeln von Menschen gesellschaftliche Prozesse auf naturgeschichtliche Weise</strong> durchsetzen. Dafür müsste man freilich Karl Marx lesen, statt ihn nur zu hassen und zu verdammen.</p>
<p>Als ich damals im Oktober 1989 von Studenten gefragt wurde, was ich von dieser Bewegung hielte, antwortete ich mit Nietzsche: <strong>&#8220;Ich misstraue Massenbewegungen &#8230;&#8221;</strong></p>
<p><strong><a rel="external" href="http://derstandard.at/fs/1253807786535/Die-Mauer-ist-nicht-vom-Himmel-gefallen?sap=2&amp;_pid=14214639" target="_blank">vgl. auch dieses Interview mit Egon Krenz</a></strong><a rel="external" href="http://derstandard.at/fs/1253807786535/Die-Mauer-ist-nicht-vom-Himmel-gefallen?sap=2&amp;_pid=14214639" target="_blank"><strong></strong></a><strong><a rel="external" href="http://derstandard.at/fs/1253807786535/Die-Mauer-ist-nicht-vom-Himmel-gefallen?sap=2&amp;_pid=14214639" target="_blank"> und die Diskussion dazu</a></strong><strong><br />
</strong></p>
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		<title>Wissenschaftlichkeit, Kunst und Parteilichkeit</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2007/12/24/wissenschaftlichkeit-kunst-und-parteilichkeit/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Dec 2007 15:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Wolf]]></category>
		<category><![CDATA[Lyssenko]]></category>
		<category><![CDATA[Nietzsche]]></category>
		<category><![CDATA[Parteilichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stalin]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftlickeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu DDR-Zeiten war eine gängige Diskussion nicht nur in der Philosophie die Diskussion zum Thema: &#8220;Wissenschaftlichkeit und Parteilichkeit&#8221;. Durch unter anderem stalinistische Einmischung wurde diese Diskussion sogar auf dem Gebiet der Genetik geführt. Die gängige These &#8220;der Partei&#8221; (und das meint in der komplexen Wirklichkeit der DDR &#8211; einiger mächtiger Ideologen in der SED) war: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu DDR-Zeiten war eine gängige Diskussion nicht nur in der Philosophie die Diskussion zum Thema: &#8220;Wissenschaftlichkeit und Parteilichkeit&#8221;. Durch unter anderem stalinistische Einmischung wurde diese Diskussion sogar auf dem Gebiet der <a title="Lyssenkoismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lyssenkoismus">Genetik</a> geführt.</p>
<p>Die gängige These &#8220;der Partei&#8221; (und das meint in der komplexen Wirklichkeit der DDR &#8211; einiger mächtiger Ideologen in der SED) war: <em>&#8220;Wer parteilich ist, ist automatisch wissenschaftlich&#8221;</em>.</p>
<p>Auch wenn ich in der öffentlichen Diskussion keine Rolle gespielt habe (zu blöde, zu faul <img src='http://blogs.handout.de/philspass/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) war doch meine These: <strong>&#8220;Wer wissenschaftlich ist, ist automatisch parteilich (… für die richtige Sache)</strong>.<strong>&#8220;</strong></p>
<p>Jetzt würde ich wohl, gefragt, sagen <strong>&#8220;Wer IST, ist parteilich, wessen Partei unterstützt wird, hängt von der Weise des Seins und von der Deutlichkeit der Aussage ab.&#8221; </strong></p>
<p>In der Diskussion um die Rolle von Kunst in der Gesellschaft finden wir diese Diskussion wieder unter dem Aspekt: Kunst und Politik. Hier ist die gängige Aussage ein Zitat nach Friedrich Wolf: <a title="Kunst ist Waffe" href="http://www.friedrichwolf.de/index.html" target="_blank">&#8220;Kunst ist Waffe&#8221;</a> für das zur Zeit sogar eine Werbeträgerfirma bemüht wird. Doch was steht da eigentlich?</p>
<p>Der Unterschied zwischen den stalinistischen und den möchtegern &#8220;unparteiischen&#8221; TeilnehmerInnen an der Diskussion ist nur durch genaues Hinsehen zu finden.</p>
<p>So:</p>
<p><a title="Nordkorea" rel="lightbox" href="http://farm2.static.flickr.com/1349/1440528926_964fd8d951.jpg?v=0"><img src="http://farm2.static.flickr.com/1349/1440528926_964fd8d951.jpg?v=0" alt="Koreanische Parteikunst" align="middle" /></a></p>
<p>Oder so:</p>
<div id="attachment_600" class="wp-caption alignnone" style="width: 410px"><a rel="external" href="http://blogs.handout.de/kuechenphilosophie/files/rivera2.jpg"><img class="size-full wp-image-600" src="http://blogs.handout.de/kuechenphilosophie/files/rivera2.jpg" alt="Diego Rivera: The Arsenal - Frida Kahlo distributes arms (1928)" width="400" height="323" /></a><p class="wp-caption-text">Diego Rivera: The Arsenal - Frida Kahlo distributes arms (1928)</p></div>
<p>Oder so?:</p>
<p><a rel="lightbox" href="http://web246m.dynamic-kunden.ch/maria/marienbilder/111.jpg"><img src="http://web246m.dynamic-kunden.ch/maria/marienbilder/111.jpg" alt="Marienbilder" width="252" height="339" /></a></p>
<p>Der Unterschied besteht zwischen den Sätzen:</p>
<ul>
<li><em>&#8220;Kunst MUSS Waffe sein (sonst ist sie keine Kunst)&#8221;, </em></li>
<li><em>&#8220;Kunst DARF KEINE Waffe sein, (</em><em>sonst ist sie keine Kunst</em><em>)&#8221;</em> und der Feststellung</li>
<li><em><strong>&#8220;Kunst IST immer politisch, IST immer eine (potentielle) Waffe, ob es nun von den Künstlern gewollt ist oder nicht&#8221;</strong></em>.</li>
</ul>
<p>Das haben auch die Bandmitglieder von &#8220;<a rel="external" href="http://www.wirsindhelden.com/" target="_blank">Wir sind Helden</a>&#8221; gemerkt, als ihr Lied <a title="Liedtext" href="http://www.oleo.tv/lyrics/wir-sind-helden/gekommen-um-zu-bleiben/" target="_blank">&#8220;Gekommen um zu bleiben&#8221;</a> von Nazis auf Demos gespielt wurde. Das gilt natürlich auch für die Philosophie. Der Missbrauch von Aussagen des grossen Humanisten Nietzsche (bis zu seinen Gedanken haben sie es nicht gewagt) durch die Nationalsozialisten war durch ihn ebensowenig vorhersehbar, wie ein Hersteller von Damenpumps vorhersehen kann, dass mit diesen einigen Männern der Kopf eingeschlagen werden kann.</p>
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		<title>Vor welchen Karren darf sich die Philosophie spannen lassen?</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 10:40:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Heine]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Lou Andreas-Salome]]></category>
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		<category><![CDATA[Postulate]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Zusammenhang der Philosophie und der Philosophinnen und Philosophen zu politischen, moralischen oder anderen interessegeleiteten Verhaltenssteuerungen, wie sie in der Regel als &#8220;praktische Philosophie&#8221; bearbeitet und gelehrt wird, gehört zu den schmerzhaftesten Angriffspunkten denen sich die Philosophie auszusetzen hat. Nietzsche, dessen Genie dazu führte, selbst in seinen Scherzen oder in seinen Schmerzen (wie seinen &#8220;Krankheiten&#8221;) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zusammenhang der Philosophie und der Philosophinnen und Philosophen zu politischen,  moralischen oder anderen interessegeleiteten Verhaltenssteuerungen, wie sie in der Regel als &#8220;praktische Philosophie&#8221; bearbeitet und gelehrt wird, gehört zu den schmerzhaftesten Angriffspunkten denen sich die Philosophie auszusetzen hat. <strong>Nietzsche</strong>, dessen Genie dazu führte, selbst in seinen Scherzen oder in seinen Schmerzen (wie seinen &#8220;Krankheiten&#8221;) philosophisch weitreichend zu wirken (ähnlich wie es Liebermann über Degas sagte: &#8220;Der könnte auch in den Schnee pinkeln und es würde ein Kunstwerk daraus …&#8221; ), zeigt diesen Zusammenhang in diesem von ihm selbst arrangierten Foto, das ihn mit seinem Freund <strong>Paul Rée</strong> und ihrer gemeinsamen Angebeteten <strong>Lou Andreas-Salome </strong>zeigt, einer der wohl zu dieser Zeit (Anfang Mai 1882) interessantesten Frauen der Welt:</p>
<p><a rel="external" href="http://blogs.handout.de/kuechenphilosophie/files/nietzsche_lou_ree.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-560" src="http://www.philspass.de/wp-content/uploads/2007/01/nietzsche_lou_ree-201x300.jpg" alt="Nietzsche, Lou Andereas Salome, Ree" width="201" height="300" /></a></p>
<p>Was allemal auf den Philosophen wartet, ist bestenfalls die Peitsche, schlimmstenfalls die (mitunter verächtliche) Ablehnung oder Zurückweisung.</p>
<p>Natürlich haben Philosophen und Philosophinnen Bedürfnisse: sie müssen essen, wohnen, sich kleiden, brauchen sexuelle Befriedigung u.s.f., insofern sind sie unfrei in ihren Entscheidungen, hängen von anderen Menschen oder von Umweltbedingungen ab.</p>
<p>So müssen sie sich auch immer wieder nach dem Nutzen ihrer Tätigkeit fragen lassen. Nur für nützliche Tätigkeit gibt es von deren Nutznießern mitunter einen Gegenwert.</p>
<p>Die Erfindung der &#8220;praktischen Philosophie&#8221; mithin, so weit ich es verstanden zu haben glaube – die &#8220;wissenschaftliche Begründung&#8221;  der  Moral und des gesellschaftlichen Handelns (des Handelns gegenüber anderen Menschen) – ist ein solches Angebot an eventuelle Nutznießer auf dem Markt der Empfehlungen und Begründungen (post festum) für menschliches Verhalten.</p>
<p>Meines Erachtens aber ist diese Interessen begründende oder Interessen modifizierende Tätigkeit selbst <strong>keine</strong> philosophische Tätigkeit mehr. Sie geht über die philosophische Tätigkeit hinaus in einen Bereich, in dem sich auch die Physik oder die Mathematik tummelt.</p>
<p>Kein Wunder, dass auch <strong>Kant</strong>, als er an diesem Punkt angekommen ist, ähnlich wie für die Mathematik notwendig &#8211; Axiome (das Moralgesetz in mir) und daraus abgeleitete Postulate (Unsterblichkeit, Freiheit, Gott) &#8211; bestimmen muss und damit das Feld der Philosophie verlässt.</p>
<p>Dieser Fall kann abwertend als Verrat an der Philosophie oder als Rücksicht auf das Volk als die Nutznießer der Philosophie betrachtet werden, so wie es <strong>Heine</strong> scherzhaft darstellt: Nachdem Kant alle Götter habe blutig über die Klinge springen lassen habe ihm sein Diener Lampe leid getan. „Der alte Lampe muss einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nicht glücklich sein – der Mensch soll aber auf der Welt glücklich sein – das sagt die praktische Vernunft – meinetwegen – so mag auch die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen.“</p>
<p>Die Frage ist: &#8220;<strong>Soll oder darf Philosophie überhaupt praktisch werden?</strong>&#8221;</p>
<p>Ist es richtig (was heisst das wieder?) wenn die Philosophie in den Dienst bestimmter Interessengruppen tritt, sei es aus historischer Moral heraus für die Arbeiterklasse wie beim Marxismus-Leninismus oder sei es aus dem bloßen Hunger heraus für das Kapital &#8211; vertreten durch deren Agenten, die Kapitalisten oder sei es aus Angst heraus gegenüber für die jeweiligen Herrschenden?</p>
<p>Ich denke, dass sich Philosophie im Dienste von wem auch immer nur blamieren kann, so wie sie es in ihrer Geschichte auch immer getan und erlebt hat. Das hält jedoch die einzelnen Philosophen nicht davon ab, neben ihrer nützlichen Tätigkeit dem Entwicklungsprozess des philosophischen Denkens ihren Teil hinzuzufügen. Wichtig scheint es mir, zu unterscheiden zwischen diesen beiden Ergebnissen oder wenn man kann, zwischen diesen Tätigkeiten zu trennen.</p>
<p>Am gefährdetsten sind die &#8220;akademischen Philosophen&#8221;, also Leute, die für ihre Tätigkeit vom jeweiligen Staat bezahlt werden. Sie verlieren ihre Stelle sofort, sobald ihre Aussagen die Grundlagen des Staates in Frage stellen, der sie bezahlt.</p>
<p>Bei <strong>Hegel</strong> zum Beispiel heisst das, zu unterscheiden zwischen seinen gigantischen Denkergebnissen bei der Beschreibung der Dialektik und seinen schäbigen Denkversuchen bei der Begründung der damals bestehenden Herrschaftsverhältnisse  und der Erhaltung seiner eigenen Existenz (für die er sich dem Spott Schopenhauers und Nietzsches aussetzen musste, die selbst ihre Existenz als Rentiers, also von ihren Vermögen zahlten).</p>
<p><strong>Spinoza</strong>, einer der mir liebsten Philosophen der Neuzeit, ernährte sich vom Linsenschleifen, das einzelne Menschen sehend machte, seine Philosophie, die die ganze Menscheit sehend machte, brachte ihm nichts ein, wurde nicht einmal zu seinen Lebzeiten vollständig veröffentlicht.</p>
<p>Es ist gut, wenn der Philosoph für seine Tätigkeit auf nichts Rücksicht nehmen, vor nichts Angst haben muss. Den ganzen Philosophen wegzuwerfen oder zu verurteilen wegen des für ihn nützlichen aber unphilosophischen Teiles seiner Arbeit ist ebenso unsinnig, wie das Kind mit dem Bade auszuschütten, aber wer tut das schon …</p>
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		<title>Thales im Brunnen oder die alten Weiber in der Philosophie</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jan 2007 21:39:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Brunnen]]></category>
		<category><![CDATA[Laertius]]></category>
		<category><![CDATA[Nietzsche]]></category>
		<category><![CDATA[Thales]]></category>
		<category><![CDATA[Weib]]></category>
		<category><![CDATA[Zarathustra]]></category>

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		<description><![CDATA[Diogenes Laertius, dem wir trotz seiner eitlen Geschwätzigkeit einige, oft die einzigen verlässlichen Informationen über Philosophen des Altertums verdanken, berichtet eine Erzählung (wohl nach Platon) über Thales, daß dieser einst, um die Sterne zu beobachten, seine Wohnung verließ und dabei in eine Grube fiel. Ein &#8220;altes Weib&#8221;, das ihn begleitete, rief dem Philosophen zu: &#8220;Du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diogenes Laertius, dem wir trotz seiner eitlen Geschwätzigkeit einige, oft die einzigen verlässlichen Informationen über Philosophen des Altertums verdanken, berichtet eine Erzählung (wohl nach Platon) über Thales, daß dieser einst, um die Sterne zu beobachten, seine Wohnung verließ und dabei in eine Grube fiel. Ein &#8220;altes Weib&#8221;, das ihn begleitete, rief dem Philosophen zu: &#8220;Du kannst nicht sehen, Thales, was dir vor Füßen liegt, und du wähnst zu erkennen, was am Himmel ist?&#8221; (Diogenes Laertius. Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Meiner. I 34).</p>
<p>Wenn wir jedoch bedenken, dass Sterne, in Ermangelung von Teleskopen, aus einer Brunnenröhre leichter zu beobachten sind, handelt es sich hier möglicherweise um die aktive Missdeutung (und damit  Abwertung) einer wissenschaftlichen Arbeitsweise. Dieses Weib hat so eine der typischen Weisen entdeckt, wie Ungebildete mit Weisen umgehen: Sie urteilen, meist abwertend und hämisch, statt und bevor sie fragen.</p>
<p>(siehe auch <a rel="external" href="http://www.leuchtfeuer-ev.de/philos-thales.htm">hier</a>)</p>
<p>Mitunter sind die Sprüche dieser alten Weiber (die nicht immer weiblich und damit Frauen sein müssen) besser überliefert, als die Gedanken der Philosophinnen und Philosophen selber. So finden wir dieses alte Weib auch bei Nietzsche, wo sie als Antwort auf und Zusammenfassung seiner Überlegungen ihre &#8220;kleine Wahrheit&#8221; sagt: &#8220;Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!&#8221;. Dieser Spruch gilt bis heute als Meinung Nietzsche&#8217;s, selbst wenn im Originaltext weder Nietzsche, noch sein <em>alter ego</em> Zarathustra dieser Meinung beipflichten und selbst wenn nicht gesagt wurde, gegen wen die Peitsche durch wen angewendet werden sollte.</p>
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