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	<title>Philspass &#187; Hegel</title>
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	<description>Ein weiterer Handouts Blog</description>
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  <title>Philspass</title>
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		<title>Wahn ist Wirklichkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 11:51:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[Wirklichkeit (actualitas, realitas) wird üblicherweise der Möglichkeit oder dem Schein entgegengesetzt. Eine intensive Diskussion findet statt über die Frage, ob Wirklichkeit materiell oder ideell ist (also objektiv und deshalb ausserhalb des menschlichen Bewusstseins oder subjektiv und deshalb innerhalb des menschlichen Bewusstseins existiert). Vernachlässigt wird dabei ein einfacher Sachverhalt, nämlich, dass das Wort &#8220;Wirklichkeit&#8221; mit seinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wirklichkeit</strong> (actualitas, realitas) wird <a title="Wirklichkeit, Eisler Wörterbuch" href="http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Wirklichkeit?hl=wirklichkeit" target="_blank">üblicherweise</a> der Möglichkeit oder dem Schein entgegengesetzt. Eine intensive Diskussion findet statt über die Frage, ob Wirklichkeit materiell oder ideell ist (also objektiv und deshalb ausserhalb des menschlichen Bewusstseins oder subjektiv und deshalb innerhalb des menschlichen Bewusstseins existiert).</p>
<p><span id="more-546"></span>Vernachlässigt wird dabei ein einfacher Sachverhalt, nämlich, dass das Wort &#8220;Wirklichkeit&#8221; mit seinem wesentlichen Bestandteil &#8220;wirken&#8221; überhaupt nichts mit Objektivität oder Subjektivität, Sein, Möglichkeit oder Schein zu tun hat. Der <strong>Schein</strong> &#8211; insofern er wirkt, ist Wirklichkeit, der <strong>Wahn</strong> &#8211; insofern er wirkt, ist Wirklichkeit, <strong>Gott</strong> insofern er (oder Sie) wirkt ist Wirklichkeit. Selbst das nur <strong>Mögliche</strong> wird Wirklichkeit, sobald es auf meine Entscheidungen wirkt (z.B. als selbsterfüllende Prophezeiung).</p>
<p>Das ist der Wit(z) bei Lacan und modernen Therapeutinnen und Therapeuten, <strong>dass der Wahn</strong> nicht als unrealistisch abgetan wird, sondern <strong>ernst genommen wird</strong> als subjektive Wirklichkeit eines Klienten.</p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;">Die Verwirrung zeigt sich in der Alltagssprache, so finden wir oft Aussagen wie: &#8220;Es ist wirklich möglich …&#8221; und &#8220;Es ist scheinbar wirklich …&#8221;</span></strong></p>
<p><strong><a rel="external" href="http://blogs.handout.de/philspass/2010/07/27/lothar-kuhne/" target="_blank">Wirklichkeit kommt von Wirkung</a></strong><a rel="external" href="http://blogs.handout.de/philspass/2010/07/27/lothar-kuhne/" target="_blank">.</a> Wirkung kommt von etwas Anderem. Etwas <strong>ist</strong> wirklich insofern es wirkt. Ob das Andere in unserem Hirn ist oder ausserhalb unseres Hirns oder irgend ganz anderswo, ist eine sekundäre Frage. Diese Frage sollte so gestellt werden:</p>
<p><strong>Kann von der Wirklichkeit auf das Sein gefolgert werden</strong>?  Steht wirklich (!) ausser Frage <strong>dass etwas ist, weil es wirkt</strong> (das ist im Wesentlichen die Logik der <a title="A posteriori" href="http://de.wikipedia.org/wiki/A_posteriori">aposteriorischen</a> Gottesbeweise des <a title="Thomas von Aquin" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin">Thomas von Aquin</a>) oder <strong>dass etwas ist, weil es gedacht, ausgesagt werden kann</strong> (das ist im Wesentlichen die Logik der <a title="A priori" href="http://de.wikipedia.org/wiki/A_priori">apriorischen</a> onologischen Gottesbeweise des <a title="Anselm von Canterbury" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Canterbury">Anselm von Canterbury</a>)?</p>
<p><strong>Worüber wir sicher etwas sagen können, ist immer nur über die Wirklichkeit, niemals über das Sein.</strong></p>
<blockquote><p>Was gezeigt werden <em> kann, kann </em> nicht gesagt werden. (Wittgenstein)</p></blockquote>
<p>Worüber wir sicher etwas sagen können, ist, <strong>auf welche Weise  etwas wirklich ist, auf uns gewirkt hat</strong>!<br />
Welche <strong>Seinsweise</strong> hat also ein Etwas?</p>
<ul>
<li>Ist es <strong>objektiv</strong> wirklich (ausserhalb des menschlichen, oder gar ausserhalb meines eigenen) Bewusstseins?</li>
<li>ist es <strong>subjektiv</strong> wirklich (innerhalb des menschlichen, zumindest aber in meinem) Bewusssein?</li>
<li>ist es <strong>anders</strong>, auf eine uns bisher unbekannte Weise wirklich (meine Wahrnehmung &#8211; bisher &#8211; übersteigend, transzendent)?</li>
</ul>
<p>Interessant ist diese Diskussion auch deshalb, weil <strong>Wirklichkeit und Existenz</strong> oft verknüpft werden. Damit wird Existenz aber nur zu einem Synonym von Wirklichkeit.</p>
<ul>
<li>&#8220;Alles, was wirklich ist, existiert.&#8221;</li>
<li>&#8220;Etwas existiert nur weil und insofern es es wirkt&#8221;</li>
<li>&#8220;Wir wissen von der Existenz von etwas, weil wir von der Wirkung wissen&#8221;</li>
<li>&#8220;Weil etwas auf uns wirkt, können wir auf die Existenz dieses Etwas schliessen&#8221;</li>
<li>Wir wissen nur von der Wirkung einer Sache, niemals aber von der Existenz&#8221; (Kant)</li>
<li>&#8220;Alles was wirklich ist ist vernünftig, alles was vernünftig ist, ist wirklich&#8221; (Hegel)</li>
<li><strong>etwas existiert für mich weil und insofern es auf mich wirkt.</strong></li>
</ul>
<p>Oft wird auch <strong>Wirklichkeit und Wahrheit</strong> miteinander verknüpft</p>
<ul>
<li>Sein ist Wahrgenommen werden, esse est percipi. (Berkeley)</li>
<li>Ich glaube es erst als Wahrheit wenn und insofern ich es sehe, anfassen, wahrnehmen kann (Realismus, Empirismus)</li>
<li>&#8220;Ist das wirklich wahr?&#8221; ist eine unzulässige Verknüpfung zweier Fragen: Die <strong>Wahrheit</strong> einer Aussage (und <strong>nur Aussagen haben Wahrheit</strong>) besteht in der <strong>Übereinstimmung</strong> mit dem Sachverhalt, über dessen <strong>Wirkung</strong> etwas ausgesagt wird.</li>
</ul>
<blockquote><p>&#8220;Es regnet gerade&#8221; bedeutet nicht, dass es <em>wirklich gerade regnet</em>, sondern, <em>dass eine Person eine Aussage post festum</em> mit dem Inhalt <em>macht</em> &#8220;Es regnet gerade&#8221; und dabei auf Wirkungen auf sich selbst verweist (Ich sehe, dass die Strasse nass ist, ich sehe Wassertropfen an der Scheibe, meine Haare fühlen sich gerade jetzt nass an u.s.w.) welche auf <strong>diese</strong> Person an <strong>diesem</strong> Ort und zu <strong>dieser</strong> Zeit einwirkten. Nur die Aussagen von Zeugen zum selben Sachverhalt, also Personen, welche zur selben Zeit am selben Ort sind, können überhaupt verglichen werden und dabei kann Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung festgestellt werden. Und ich kann Zahlen, Daten, Fakten durch technische Hilfsmittel erheben. Aber auch diese &#8220;objektiven&#8221; Informationen werden schliesslich mitgeteilt durch Personen.<br />
Ich kann also am Ende nur sagen: Die Aussage der Person A über  die Wirkung des Sachverhaltes X zum Zeitpunkt  Δt auf sie stimmt oder stimmt nicht überein mit der Aussage von Person B über die Wirkung des Sachverhaltes X zum Zeitpunkt  Δt oder mit der Aussage über die Outputs eines technischen Gerätes auf  Person C über die Wirkung des Sachverhaltes X zum Zeitpunkt  Δt.</p></blockquote>
<p><strong>Eine Aussage über die Wirklichkeit </strong>eines Sachverhaltes (&#8220;Das war wirklich George Clooney, den ich gesehen habe.&#8221;) <strong>ist keine Aussage über die Wahrheit</strong> eines Sachverhaltes, sondern nur über die subjektive Übereinstimmung einer Vorstellung mit einer Erfahrung (&#8220;Der sah so aus wie ich mir George Clooney vorstelle!&#8221;), <strong>die Erzählung von einer Wirkung.</strong></p>
<p><strong>Wirklichkeit führt zum Für-wahr-halten, niemals aber zumWahr-Sein.</strong></p>
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		<title>Trennen und Unterscheiden</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2009/04/01/trennen-und-unterscheiden/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 04:15:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Trennen]]></category>

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		<description><![CDATA[Begriffe sind voneinander nicht zu trennen, nur zu unterscheiden. Sei vorsichtig mit dem Terminus &#8220;trennen&#8221;, der hat zu zweitausend Jahren sinnloser philosophischer Diskussion geführt (Sein-Bewusstsein). Was du getrennt hast, musst du wieder zusammenfügen. Und es wird dir passieren was Hegel beschrieben hat als Einen, der versucht die Teile eines Menschen wieder fein säuberlich zusammenzufügen, den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Begriffe sind voneinander nicht zu <strong>trennen</strong>, nur zu <strong>unterscheiden</strong>. Sei vorsichtig mit dem Terminus &#8220;trennen&#8221;, der hat zu zweitausend Jahren sinnloser philosophischer Diskussion geführt (Sein-Bewusstsein). Was du getrennt hast, musst du wieder zusammenfügen. Und es wird dir passieren was Hegel beschrieben hat als Einen, der versucht die Teile eines Menschen wieder fein säuberlich zusammenzufügen, den er auseinandergenommen hat und doch kein Leben mehr hineinbringt.</p>
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		<title>Arroganz und Überheblichkeit der Philosophen</title>
		<link>http://blogs.handout.de/philspass/2009/03/29/arroganz/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 04:53:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Arroganz]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine meiner wichtigsten Erfahrungen beim Schreiben ist, dass falscher Respekt vor anderen Meinungen nicht hilft. Was im Alltag wichtig ist, die Fähigkeit zur kritiklosen Anerkennung des Existenzrechtes anderer Auffassungen, ist im wissenschaftlichen Alltag gefährlich. Hier ist an ALLEM zu zweifeln, alles in Frage zu stellen und jede(r) Andere als potentieller Dummkopf oder möglicherweise im Irrtum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine meiner wichtigsten Erfahrungen beim Schreiben ist, dass falscher Respekt vor anderen Meinungen nicht hilft. Was im Alltag wichtig ist, die Fähigkeit zur kritiklosen Anerkennung des Existenzrechtes anderer Auffassungen, ist im wissenschaftlichen Alltag gefährlich. Hier ist an ALLEM zu zweifeln, alles in Frage zu stellen und jede(r) Andere als potentieller Dummkopf oder möglicherweise im Irrtum befangen, zu sehen.<br />
So hat zum Beispiel Heidegger, der sich als Schüler von Husserl sieht, in seiner Einleitung zu den Grundproblemen der Phänomenologie Sätze geschrieben, die das <strong>grundsätzliche</strong> Husserlsche Herangehen in Frage stellen, sein Werk als grossen Fehler entdecken.</p>
<blockquote><p><strong>Einen Wissenschaftler ehren und respektieren heisst, sich auf seine oder ihre Schultern zu stellen, ihn zu treten, sich über ihn zu erheben, die Leiter wegzuwerfen</strong> (war ne gute Leiter, aber nun brauche ich mich nicht mehr leiten lassen!).</p></blockquote>
<p>Respekt erweisen heisst in der Wissenschaft, diese Thesen als Leiter, als Schulter, als Stütz-punkt  zu akzeptieren. Das heisst nämlich auch Vertrauen und Achtung. Kein Wunder dass Wittgenstein genau das in seinem <a title="Google Suche" href="http://www.google.com/search?hl=de&amp;client=firefox-a&amp;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&amp;hs=8Yo&amp;q=wittgenstein+leiter+wegwerfen+tractatus&amp;btnG=Suche&amp;lr=" target="_blank">berühmten Satz</a> <strong>eingefordert</strong> hat!<br />
Auf die Aussagen eines schleimigen, unklaren, unsicheren oder gar verlogenen Schreibers kann sich keiner stützen. Wir würden mit unserer Denkbasis zusammenbrechen.<br />
Die Fundamente unserer Philosophien können nur mit den klaren Gedanken gebaut werden, den genialen Fehlern und Einseitigkeiten, den Irrtümern welche entstehen, wenn jemand konsequent den falschen Weg bis zum Ende geht und uns den falschen Weg weist und damit erspart. Einen Philosophen ehren, heisst, ihn kritisieren. ihn (oder sie) der Kritik würdig zu finden. Genau das war es, worunter Nietzsche so gelitten hat: Dass zu seinen Lebzeiten kaum ein grosser Denker existierte, der ihn kritisiert hat, nur <strong>eine <em>Frau</em></strong>, die das konnte, Lou …<br />
Daher vielleicht sein Misstrauen und seine Abneigung gegenüber den <strong>anderen</strong> Frauen …</p>
<blockquote><p>Hegel sagt auch, dass die Philosophie nichts für den Pöbel ist, ihrer Natur nach etwas Esoterisches (&#8220;Über das Wesen der philosophischen Kritik überhaupt&#8221;) und Heidegger ergänzt: &#8220;Die Ansprüche und Maßstäbe des gesunden Menschenverstandes dürfen keine Geltung beanspruchen und keine Instanz darstellen bezüglich dessen, was Philosophie ist und was sie nicht ist.&#8221; (Grundprobleme der Phänomenologie. Klostermann. 1975 S. 19)</p></blockquote>
<p>Das dürften einige der Gründe sein, weshalb Philosophen oft als überheblich, respektlos und arrogant bezeichnet werden.</p>
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		<title>Vor welchen Karren darf sich die Philosophie spannen lassen?</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 10:40:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Zusammenhang der Philosophie und der Philosophinnen und Philosophen zu politischen, moralischen oder anderen interessegeleiteten Verhaltenssteuerungen, wie sie in der Regel als &#8220;praktische Philosophie&#8221; bearbeitet und gelehrt wird, gehört zu den schmerzhaftesten Angriffspunkten denen sich die Philosophie auszusetzen hat. Nietzsche, dessen Genie dazu führte, selbst in seinen Scherzen oder in seinen Schmerzen (wie seinen &#8220;Krankheiten&#8221;) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zusammenhang der Philosophie und der Philosophinnen und Philosophen zu politischen,  moralischen oder anderen interessegeleiteten Verhaltenssteuerungen, wie sie in der Regel als &#8220;praktische Philosophie&#8221; bearbeitet und gelehrt wird, gehört zu den schmerzhaftesten Angriffspunkten denen sich die Philosophie auszusetzen hat. <strong>Nietzsche</strong>, dessen Genie dazu führte, selbst in seinen Scherzen oder in seinen Schmerzen (wie seinen &#8220;Krankheiten&#8221;) philosophisch weitreichend zu wirken (ähnlich wie es Liebermann über Degas sagte: &#8220;Der könnte auch in den Schnee pinkeln und es würde ein Kunstwerk daraus …&#8221; ), zeigt diesen Zusammenhang in diesem von ihm selbst arrangierten Foto, das ihn mit seinem Freund <strong>Paul Rée</strong> und ihrer gemeinsamen Angebeteten <strong>Lou Andreas-Salome </strong>zeigt, einer der wohl zu dieser Zeit (Anfang Mai 1882) interessantesten Frauen der Welt:</p>
<p><a rel="external" href="http://blogs.handout.de/kuechenphilosophie/files/nietzsche_lou_ree.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-560" src="http://www.philspass.de/wp-content/uploads/2007/01/nietzsche_lou_ree-201x300.jpg" alt="Nietzsche, Lou Andereas Salome, Ree" width="201" height="300" /></a></p>
<p>Was allemal auf den Philosophen wartet, ist bestenfalls die Peitsche, schlimmstenfalls die (mitunter verächtliche) Ablehnung oder Zurückweisung.</p>
<p>Natürlich haben Philosophen und Philosophinnen Bedürfnisse: sie müssen essen, wohnen, sich kleiden, brauchen sexuelle Befriedigung u.s.f., insofern sind sie unfrei in ihren Entscheidungen, hängen von anderen Menschen oder von Umweltbedingungen ab.</p>
<p>So müssen sie sich auch immer wieder nach dem Nutzen ihrer Tätigkeit fragen lassen. Nur für nützliche Tätigkeit gibt es von deren Nutznießern mitunter einen Gegenwert.</p>
<p>Die Erfindung der &#8220;praktischen Philosophie&#8221; mithin, so weit ich es verstanden zu haben glaube – die &#8220;wissenschaftliche Begründung&#8221;  der  Moral und des gesellschaftlichen Handelns (des Handelns gegenüber anderen Menschen) – ist ein solches Angebot an eventuelle Nutznießer auf dem Markt der Empfehlungen und Begründungen (post festum) für menschliches Verhalten.</p>
<p>Meines Erachtens aber ist diese Interessen begründende oder Interessen modifizierende Tätigkeit selbst <strong>keine</strong> philosophische Tätigkeit mehr. Sie geht über die philosophische Tätigkeit hinaus in einen Bereich, in dem sich auch die Physik oder die Mathematik tummelt.</p>
<p>Kein Wunder, dass auch <strong>Kant</strong>, als er an diesem Punkt angekommen ist, ähnlich wie für die Mathematik notwendig &#8211; Axiome (das Moralgesetz in mir) und daraus abgeleitete Postulate (Unsterblichkeit, Freiheit, Gott) &#8211; bestimmen muss und damit das Feld der Philosophie verlässt.</p>
<p>Dieser Fall kann abwertend als Verrat an der Philosophie oder als Rücksicht auf das Volk als die Nutznießer der Philosophie betrachtet werden, so wie es <strong>Heine</strong> scherzhaft darstellt: Nachdem Kant alle Götter habe blutig über die Klinge springen lassen habe ihm sein Diener Lampe leid getan. „Der alte Lampe muss einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nicht glücklich sein – der Mensch soll aber auf der Welt glücklich sein – das sagt die praktische Vernunft – meinetwegen – so mag auch die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen.“</p>
<p>Die Frage ist: &#8220;<strong>Soll oder darf Philosophie überhaupt praktisch werden?</strong>&#8221;</p>
<p>Ist es richtig (was heisst das wieder?) wenn die Philosophie in den Dienst bestimmter Interessengruppen tritt, sei es aus historischer Moral heraus für die Arbeiterklasse wie beim Marxismus-Leninismus oder sei es aus dem bloßen Hunger heraus für das Kapital &#8211; vertreten durch deren Agenten, die Kapitalisten oder sei es aus Angst heraus gegenüber für die jeweiligen Herrschenden?</p>
<p>Ich denke, dass sich Philosophie im Dienste von wem auch immer nur blamieren kann, so wie sie es in ihrer Geschichte auch immer getan und erlebt hat. Das hält jedoch die einzelnen Philosophen nicht davon ab, neben ihrer nützlichen Tätigkeit dem Entwicklungsprozess des philosophischen Denkens ihren Teil hinzuzufügen. Wichtig scheint es mir, zu unterscheiden zwischen diesen beiden Ergebnissen oder wenn man kann, zwischen diesen Tätigkeiten zu trennen.</p>
<p>Am gefährdetsten sind die &#8220;akademischen Philosophen&#8221;, also Leute, die für ihre Tätigkeit vom jeweiligen Staat bezahlt werden. Sie verlieren ihre Stelle sofort, sobald ihre Aussagen die Grundlagen des Staates in Frage stellen, der sie bezahlt.</p>
<p>Bei <strong>Hegel</strong> zum Beispiel heisst das, zu unterscheiden zwischen seinen gigantischen Denkergebnissen bei der Beschreibung der Dialektik und seinen schäbigen Denkversuchen bei der Begründung der damals bestehenden Herrschaftsverhältnisse  und der Erhaltung seiner eigenen Existenz (für die er sich dem Spott Schopenhauers und Nietzsches aussetzen musste, die selbst ihre Existenz als Rentiers, also von ihren Vermögen zahlten).</p>
<p><strong>Spinoza</strong>, einer der mir liebsten Philosophen der Neuzeit, ernährte sich vom Linsenschleifen, das einzelne Menschen sehend machte, seine Philosophie, die die ganze Menscheit sehend machte, brachte ihm nichts ein, wurde nicht einmal zu seinen Lebzeiten vollständig veröffentlicht.</p>
<p>Es ist gut, wenn der Philosoph für seine Tätigkeit auf nichts Rücksicht nehmen, vor nichts Angst haben muss. Den ganzen Philosophen wegzuwerfen oder zu verurteilen wegen des für ihn nützlichen aber unphilosophischen Teiles seiner Arbeit ist ebenso unsinnig, wie das Kind mit dem Bade auszuschütten, aber wer tut das schon …</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ja Ja und Nein Nein oder das Verhältnis von Dialektik und Logik</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Oct 2007 21:18:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[In seiner berühmten Bergpredigt belehrt Jesus von Nazareth seine Jünger (nicht, wie oft behauptet, alle Menschen) in einer Art &#8220;Propagandistenschulung&#8221; unter anderem zum Thema &#8220;Schwören&#8221;: &#8220;Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.&#8221; Matthäus 5,37 Widerspricht das eigentlich einer Dialektik, nach der die Identität der Gegensätze (Kampf und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner berühmten Bergpredigt belehrt Jesus von Nazareth seine Jünger  (<strong>nicht</strong>, wie oft behauptet, <strong>alle</strong> Menschen) in einer Art &#8220;Propagandistenschulung&#8221; unter anderem zum Thema &#8220;Schwören&#8221;:</p>
<blockquote><p>&#8220;Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.&#8221; Matthäus 5,37</p></blockquote>
<p>Widerspricht das eigentlich einer Dialektik, nach der die Identität der Gegensätze (Kampf und Einheit) eine eher alltägliche, normale und die Unterscheidung der Gegensätze eher der Sonderfall sind?</p>
<p>Eine Definition der &#8220;Metaphysik&#8221; ist die Darstellung als undialektische, eben nach Kategorien unterschiedene, festgelegte Ja, Ja; Nein, Nein Philosophie.</p>
<p>So geht die formale Logik und die euklidische Geometrie vom Grundsatz der Widerspruchsfreiheit aus, wie sie bei Aristoteles ausgedrückt wird:</p>
<blockquote>
<p class="cite">„Doch das sicherste Prinzip von allen ist das, bei dem eine Täuschung unmöglich ist [...] Welches das aber ist, wollen wir nun angeben: <em>Denn es ist unmöglich, dass dasselbe demselben in derselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme.</em> [...] Doch wir haben eben angenommen, es sei unmöglich, dass etwas zugleich sei und nicht sei.“<cite>– <span class="Person">Aristoteles</span>: Metaphysik 1005b</cite></p>
<p class="cite">&nbsp;</p>
</blockquote>
<p>Jesus&#8217; Aufforderung ist mit dieser Vorstellungswelt verbunden. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es sich hier um eine <em>Annahme</em> handelt. Diese Annahme wird aus pragmatischen Gründen axiomatisch ins Denken eingeführt und als moralischer Grundsatz genutzt.</p>
<p>In der Wirklichkeit ist Ja und Nein immer miteinander verbunden, untrennbar. Ein Gegenstand, der sich bewegt, kann in seiner Bewegung nur beschrieben werden als <em>gleichzeitig an einem Ort und nicht an diesem Ort seiend</em>.  Alle anderen Annahmen führen zu unauflösbaren Widersprüchlichkeiten, wie Zenon von Elea in seinen Aporien zeigte.</p>
<p>Der Witz ist hier die <em>pragmatische</em> Empfehlung, einen Standpunkt in einer fliessenden, sich bewegenden Welt einzunehmen. Ein Standpunkt um eines Standpunktes willen ist allerdings sinnlos. Es bedarf eines Zwecks, einer Nutzensabwägung. Dies ist der pragmatische Aspekt.</p>
<p>Dieser pragmatische Aspekt, den Jesus seinen Jüngern nahelegen will beschreibt den Sonderfall, bei dem Widerspruchsfreiheit zu ethisch gutem Handeln führen kann, was auch immer &#8220;gut&#8221; bedeuten mag. Ähnlichkeit besteht hier zu dem Sonderfall der Newtonschen Mechanik, die ja hinreichend für den praktischen Alltag der meisten Menschen gilt, auch wenn ihre Genauigkeit bei höheren Geschwindigkeiten oder in der Nähe des planckschen Wirkungsquantums, also für die Atomphysik oder für Weltraumflüge pragmatisch nicht mehr ausreichend ist und deshalb durch eine andere Mechanik, hier die Quantenmechanik, erweitert wird.</p>
<p>Wichtig ist, zu begreifen, dass hier nicht die <em>Ungültigkeit</em> der Newtonschen oder Euklidschen oder  Marxschen Thesen nachgewiesen wird, sondern nur die pragmatischen Grenzen ihrer Gültigkeit, i.e. hinreichenden Nutzbarkeit gezeigt werden.</p>
<p>Deswegen ist die <em>Widerlegung</em> der Religion durch die Philosophie, die Widerlegung des Idealismus durch den dialektischen Materialismus, des dialektischen Materialismus durch moderne Phänomenologie oder Sprachtheorie jeweils immer auch eine <em>Aufhebung</em>, ein Hinweisen auf wenn auch begrenzte Gültigkeit der jeweiligen Theorien. Dieses <em>Aufheben</em> ist  eine Kernthese der Dialektik, wie sie durch Hegel und Marx in das moderne Denken hineingebracht wurde.</p>
<p>Wir finden hier die Gründe dafür, dass wirklich philosophisch denkende Menschen überhaupt nicht an Feinden sondern überaus an Gegnern interessiert sind. Gegner sind Menschen, die, wenn wir uns mit ihnen oder ihren Auffassungen auseinandersetzen, uns bereichern. Gegner sind notwendige Gegenparts, sind die besten Freunde der Philosophen.</p>
<p><strong>Wehe den Philosophen, die keine Gegner kennen , sie kennen sich selbst nicht!<br />
</strong></p>
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		<title>Über die Verständlichkeit von Philosophie</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Feb 2007 08:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Verstehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Philosophie und philosophische Schriften gelten als schwer verständlich. Das ist bei Sätzen nachvollziehbar, wie: &#8220;Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Philosophie und philosophische Schriften gelten als schwer verständlich. Das ist bei Sätzen nachvollziehbar, wie:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich <em>Resultat</em>, daß es erst am  <em>Ende</em> das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So widersprechend es scheinen mag, daß das Absolute wesentlich als Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Überlegung diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: <em>alle</em> Tiere, dies Wort für eine Zoologie gelten kann, ebenso fällt es auf, daß die Worte des Göttlichen, Absoluten, Ewigen usw. das nicht aussprechen, was darin enthalten ist; – und nur solche Worte drücken in der Tat die Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches Wort, der Übergang auch nur zu einem Satze, ist <em>ein Anderswerden</em>, das zurückgenommen werden muß, ist eine Vermittlung. Diese aber ist das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, daß mehr aus ihr gemacht wird denn nur dies, daß sie nichts Absolutes und im Absoluten gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben wäre. (G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes. Vorrede)&#8221;</p></blockquote>
<p>Fremdworte, seltsame Formulierungen unverständliche Formulierungen  sind Blicke in fremdes Denken, aktuelles Denken in schriftlicher Form. So wird geschrieben, wenn geforscht wird. Wenn die Sachverhalte erst einmal begriffen und Allgemeingut der Menscheit geworden sind, können sie erst verständlich formuliert werden. Was Hegel hier sagt, ist, dass, wenn ich erfahren muss, dass meine Gedanken nur in meinem Kopf existieren und die lebendige Wirklichkeit dadurch nur immer subjektiv und nur unvollkommen beschrieben wird &#8211; mein Wunsch nach Wissenschaft nicht aufgegeben werden muss, denn der <em>Wunsch</em> ist es, das <em>Drängen</em>, nicht das Resultat, der trockene Buchstabe, in dem wir und für den wir leben.</p>
<p>Dieses Drängen selbst ist gerichtet und zwar von der abstrakten Allgemeinaussage &#8220;alle Tiere&#8221; hin zur Konkretion &#8220;aller&#8221; Eigenschaften und Beziehungen eines Sachverhaltes, zum Beispiel in der Wisenschaft der Zoologie, die für Hegel hier das Beispiel absoluten Wissens gibt.</p>
<p>Also: Habt Verständnis mit den Philosophinnen und Philosophen, die um Verständnis ringen!</p>
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		<title>Wer denkt abstrakt?</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jan 2007 10:54:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Floßmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[abstrakt]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[konkret]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu den Absurditäten des Alltagsdenkens gehört die gemein übliche Beantwortung der Frage nach dem &#8220;Abstrakten Denken&#8221;. Hegel hat in einem sehr schönen Text (hier) dargestellt, daß es der Alltagsmensch ist, der abstrakt denkt, und der Wissenschaftler der welcher konkret denkt, d.h. mehrere Eigenschaften eines Sachverhalts als Ganzheit denken kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu den Absurditäten des Alltagsdenkens gehört die gemein übliche Beantwortung der Frage nach dem &#8220;Abstrakten Denken&#8221;. Hegel hat in einem sehr schönen Text (<a rel="external" href="http://www.handout.de/downloads/HegelWerdenktabstrakt.pdf" target="_blank" title="Wer denkt abstrakt?">hier</a>) dargestellt, daß es der Alltagsmensch ist, der abstrakt denkt, und der Wissenschaftler der welcher konkret denkt, d.h. mehrere Eigenschaften eines Sachverhalts als Ganzheit denken kann.</p>
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