Wandel der Zeitvorstellung
Mittwoch, 1. April 2009 | Autor: Bernd Floßmann
Wenn sich das Selbst in der Zeit bewegt, gibt es gelegentlich Revolutionen in der Zeitvorstellung und Zeitwahrnehmung:
“Selbstdarstellung über Mode ist naheliegend, weil sich Identitäten in modernen Industriegesellschaften beispielsweise eher über Karriere als über Herkunft definieren.” (Brit Beneke)
Das heisst ja auch, dass sich das Zeitdenken an der Schwelle zum Industriezeitalter gewandelt haben muss.
Definiere ich mich über Herkunft, also über den Stamm, die Eltern, als Sohn/ Tochter von …, ist meine Zukunft durch die Herkunft bedingt, muss ich mich um die Sicherung und Fixierung meiner Vergangenheit kümmern. Ich muss Geschichte-n schreiben, ich muss Stammbäume produzieren und aufbewahren, ich muss Besitz fixieren, ich muss mich auf vergangene Taten meiner Vorgänger berufen. Altes ist schön, begehrenswert und wird geachtet. Ich werde versuchen, es so zu machen, wie es meine Vorgänger getan haben. Mein Blick wird immer auf die Vergangenheit fixiert sein. Mein Erbe wird mich für die Überraschungen der Zukunft sichern.
Definiere ich mich über Karriere, so ist die Vergangenheit uninteressant. Mehr noch, ich bin interessiert daran, die Vergangenheit uninteressant zu machen. Ich werde Geschichten überraschender Genies, die aus dem Nichts auftauchen, überraschender Zufälle, die sich einfach so, ohne mein Zutun ergeben, produzieren. Ich werde mich mit Möglichkeiten, mit Freiheit umgeben (Komm ins Offene!). Ich werde stolz sein, Dinge NICHT mehr so zu machen, wie es meine Vorgänger getan haben. Mein Blick wird immer auf die Zukunft fixiert sein.


