Platon und unsere Angst vor der Erkenntnis
Montag, 17. November 2008 | Autor: Bernd Floßmann
Natürlich wusste Platon, dass er, gleich nachdem sein Kopf aus dem Nebel auftauchte und das Licht der Welt der absoluten Ideen erblickte, die Leiter unter ihm wegstossen musste. Das Licht aber war so überwältigend, die Einsicht so durchdringend, dass ihn, wie vor ihm schon und nach ihm noch so vielen die Angst überkam und er wieder herabstieg in die Vorstellungswelt, die er kannte, die ihm vertraut war. Da verschwand die Leiter.
Alles was ihm blieb, war die verblassende Erinnerung an diese herrliche Welt, alles was ihm blieb war, seine Träume von dieser Welt in Mythen zu fassen. Und das Bewusstsein seiner Schwäche, seiner Feigheit die ihm aus jeder Zeile seines Werkes entgegen schrie, machte ihn im Alter zu einem verbitterten Menschen, welcher eine Diktatur wünschte, weil er selbst einen Zwang, einen Herrscher gebraucht hätte in diesem einzigen Moment in dem von ihm Freiheit gefordert war. Er versah die Welt, von der er nur mehr träumen konnte mit Superlativen als so gewaltig, so überragend, so riesig, so als höchste Stufe der Bewusstheit, dass es verständlich erscheinen sollte, dass selbst er, der “grosse” Denker, diesen letzten Schritt nicht gewagt hatte.
Erläuterungen:
Einfach mal von einer anderen Seite schauen: Friedrich Dürrenmatt: Der Tod des Sokrates
Plato:
An diese Ausführungen knüpft Sokrates einen Mythos, um den Aufbau und das Lebensschicksal der Seele zu beleuchten. Anfänglich lebten die Seelen unter den Göttern und nahmen teil an ihrer himmlischen Wagenfahrt. Die Götter haben lauter edle Pferde, die Seele aber, deren Wagen von der Vernunft gelenkt wird, hat ein edles, himmlisches Ross, das Gemüt, und ein wildes, zottiges, bockiges irdisches Pferd, den Trieb. Bei der Wagenfahrt in der Gesellschaft der Götter führt der Weg steil an den Rand der Welt, auf den Buckel des Himmels: hier vermag der Lenker des Seelengefährts, die Vernunft, die in der überhimmlischen Region beheimateten Ideen zu erblicken: farblose, stofflose, gestaltlose, in Wahrheit existierende Wesen. Hierher kann nicht mehr jede Seele emporklimmen, doch die es noch vermag, stürzt wegen des störrischen und ungeschickten Verhaltens des irdischen Pferdes leicht ab. Dann fallen die Federn aus den Flügeln der Seele und diese sinkt zur Erde. Hier vermag sie die allgemeine Wahrheit zu erfassen, wenn es ihr vorher gelungen war, die Ideen zu erblicken.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Phaidros)
Wittgenstein:
6.54. Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)
Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.
7. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
(Ludwig Wittgenstein – Tractatus logico-philosophicus http://tlp.logischer-raum.de/)
Es scheint, Wittgenstein entläßt uns hier mit einem Rätsel oder, wahrscheinlicher, mit der Behauptung, dass wissenschaftliche Philosophie nicht möglich ist. Das Mystische existiert aber. Der Satz ist also umzudrehen: Wovon ich nicht schweigen will, davon muss ich sprechen lernen.
(Aus: Russell und Mystizismus. http://www.handout.de/downloads/RussellMystik.pdf)


