Exotik
Samstag, 4. Oktober 2008 | Autor: Bernd Floßmann
In Arabien zu sein und das “eigentlich ganz normal” zu empfinden, ist ein Fakt, an den ich mich erst gewöhnen muss. Die Empfindung von Exotik ist möglicherweise nur von “draussen” möglich. Das ist nun wieder fast eine banale Phrase, denn Exo-tik (Aussen-haftigkeit) liegt bereits im Namen. Das was in ihrer Umgebung fremd ist, ist exotisch. Hier also in Arabien sind wir exotisch, denn wir sind die Fremden.
In Berlin würde ein Emirati in der Disdasha exotisch wirken. Hier sind wir es. Das Verwunderungswürdige bezieht sich also weniger auf den Fakt des Exotischen als auf die Empfindung des Exotischen und wirft die Frage auf: Wie empfindet der Exot? Ist es möglich, in ein exotisches Land zu fahren? Nach dieser Definition nicht, korrekt wäre die ungebräuchliche Formulierung: Lasst uns Exot in einem Land sein.
Jugendliche sind of Exoten im eigenen Land, weil sie sich dieses Land erst aneignen müssen. So lange sie das Land nicht eignen, zeigen sie ihre Nichteignung des Landes durch ihr exotisches Aussehen. Sobald sie das Land eignen, ändert sich demnach auch das Aussehen und sie kleiden und verhalten sich konform und/ oder uniform (in ähnlichen Formen, in Uniformen).


