Verstand und Vernunft
Donnerstag, 14. August 2008 | Autor: Bernd Floßmann
Verstehst du das? Sei doch Vernünftig!
Wer kennt nicht diese Ausdrücke? Doch was bedeuten sie eigentlich?
Verstand und Vernunft stehen in der Geschichte der Philosophie, auch wenn sie immer wieder falsch oder ähnlich gebraucht werden, für völlig verschiedene Weisen des Auffassens.
Ein Bild: Um mit 180 km/h durch einen Wald zu fahren braucht es Verstand, um zu wissen, dass man sich in einem Wald befindet, braucht es Vernunft.
Schickt man also einen Techniker und einen Philosophen in einen Urwald, wird man einige Zeit später den völlig verzweifelten Techniker möglicherweise auf der anderen Seite des Waldes treffen und, gefragt wo er war, werden wir die typische additive Antwort bekommen: “Ich war ganz einfach zwischen vielen Bäumen (einige werden die Zahl und die Art der Bäume auch genau beschreiben können), ich habe so und so viel Tiere getroffen, bin so und so oft gegen Bäume gerannt und habe so und so viel gegessen, ich habe keine Ahnung, wo ich war und ich fand es furchtbar!”. Den Philosophen wird man möglicherweise einige Monate später verhungert, aber mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen im Wald finden, ein Plakat in den Händen, auf dem steht: “Ich habs! Ich bin in einem Wald!”
Wenn es nun scheint, dass der Verstand in dieser Geschichte besser wegkommt, so sei darauf verwiesen, dass es der vernünftige Philosoph war, der glücklicher war, denn er hat etwas begriffen, während der verständige Techniker eben nur überlebt, nicht gelebt hat. Den Technikern rufen wir nach: “Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!”, während die Philosophen an der rechten Seite Gottes sitzen und sich lächelnd auf ihre Wiedergeburt vorbereiten.
So erklärt es sich, dass so viele Wissenschaftler in der Freude, ein wissenschaftliches Problem gelöst zu haben, völlig übersehen, dass sie eben Atombomben, Massenvernichtungsmittel und Klimakatastrophen erzeugt haben. Die Herrschaft des Verstandes löst Probleme, die wir ohne die Verständigen nicht hätten.
Probleme zu lösen, wenn sie auftreten, statt Probleme zu verhindern ist unvernünftig, aber verständig. Ich kann einen Mörder verstehen, nicht aber den Mord vernünftig finden.


