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Blick, Tatsachen und Bilder

Samstag, 22. März 2008 | Autor: Bernd Floßmann

Bilder folgen den Tatsachen, gehen der Wahrnehmung aber voraus. Die Tatsache als vom betrachtenden Subjekt getrenntes Geschehen ist einfach da. Selbst wenn die Ursache einer Tatsache oder eines Sachverhaltes, also die Sache die sich zu einer anderen Sache verhält oder eine Sache welche Folge einer Tat ist, im Subjekt liegt, ist sie im Augenblick der Wahrnehmung vergangenes Tun, erstorbenes Tun oder fremdes Lebendiges für das erkennende Subjekt. Die Fakten werden als Ausser-Sich-Sein erblickt. 

Der Blick selbst ist der Schein der Subjektivität für Andere. Er allein soll der Macht des Subjektes unterliegen, “verirrt” sich jedoch oft genug dorthin, wo der Reiz, das wahre Interesse liegt, entledigt sich der Macht des Subjektes, macht das Subjekt ohnmächtig, zum Objekt fremden Willens. Ein Blick ist ein Tun, genau so wie Riechen, Schmecken, Berühren und – Schreiben. Aktives Handeln ist so immer ein Sich-der-Wahrnehmung-Anderer-aussetzen. Der aktive Blick ist nicht derselbe Blick wie der, der von einem Menschen erzwungen wurde. Der aktive, subjektive Blick ist Handeln, Aggression: “Sie haben mich fixiert, mein Herr, ich fordere Sie zum Duell …” ist immer noch aktives Gefühl, wenn auch mit anderen Worten “Was guckst du, willst du paar in die Fresse?”. Der züchtige Blick, der die Organe des Sehens der Anderen vermeidet, der Blick, der selbst in Kulturen, in denen alle Mitglieder nackt sind, bei Strafe nicht auf die Geschlechtsorgane gerichtet werden darf.

Die Burka, der Schleier sind deshalb Instrumente der Macht. Die Burka ist ein tragbarer “Anstand”. Diese Anständigkeit erlaubt es zu sehen ohne gesehen zu werden. Was als Schutz vor (Männer-) Blicken gedacht war, wird Waffe. Im Gegensatz aber zur Sonnenbrille, die auch von Nackten getragen werden kann, setzt die Burka auch hinter ihrem Netz die Augen dem Blick der Augen aus. Kein Wunder, dass die Verstärkung des Blicks durch den Kajalstift als schwarze Umrandung der Augen gerade in Gegenden, in denen Augen nur hinter Schleiern sichtbar sind, so beliebt ist.

Eine Sonnenbrille erlaubt es, zu sehen, ohne dass der Blick entblößt ist. Nur die Augen sichtbar zu machen, wie beim Schleier oder alles ausser den Augen sichtbar zu machen wie bei der Sonnenbrille sind die Extreme des Blicks, die ursprünglich Orient und Okzident unterschieden.

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