Home

Erst Nehmen und dann Geben. Das Lament des Eingeborenen.

Montag, 9. Juli 2007 | Autor: Bernd Floßmann

Sie nehmen uns den Grund und Boden – sie geben uns Mieten und Schulden.
Sie nehmen uns die Zeit – sie geben uns Urlaub.
Sie nehmen uns unser Heimweh – sie geben uns Fernweh.
Sie nehmen uns die universellen Güter – sie geben uns Geld.
Sie nehmen uns die Würde – sie geben uns Rangabzeichen.
Sie nehmen uns unsere Märchen – sie geben uns Geschichte.
Sie nehmen uns die Sänger – sie geben uns die Lehrer.
Sie nehmen uns den Hunger – sie geben uns den Appetit.
Sie nehmen uns die Angst – sie geben uns den Horror.
Sie nehmen uns die Sehnsucht – sie geben uns Massenmedien.
Sie nehmen uns den Raum – sie geben uns Kisten zum Wohnen und Bewegen.
Sie nehmen uns die Nahrung – sie geben uns Supermärkte voller bunter Abfälle.
Sie nehmen uns den Sex – sie geben uns die Pornografie.
Sie nehmen uns die Liebe – sie geben uns die Ehe.
Sie nehmen uns die Kleider – sie geben uns Anzüge.
Sie nehmen uns unsere bösen Geister – sie geben uns Politiker/-innen.
Sie nehmen uns unsere Lieder – sie geben uns Radios.
Sie nehmen uns das Naturschöne – sie geben uns Galerien.
Sie nehmen uns unsere guten Geister – Sie geben uns Religion.
Sie nehmen uns unsere Weisheit – sie geben uns Wissenschaft.
Sie nehmen uns unser Wissen – sie geben uns Glauben.
Sie nehmen uns unsere Hoffnung – sie geben uns ihr Jenseits.
Sie nehmen uns unsere Freiheit – sie geben uns ihre Sicherheit.
Sie nehmen uns unser Vergnügen – sie geben uns ihre Clowns.
Sie nehmen uns unsere Gespräche – sie geben uns Telefon.
Sie nehmen uns unsere Träume – sie geben uns Rauschgifte.
Sie nehmen uns unser Glück – sie geben uns ihre Berechnungen.
Sie nehmen uns unseren Zufall – sie geben uns ihre Notwendigkeiten.
Sie nehmen uns unseren Kontakt – sie geben uns Kommunikationsmittel.
Sie nehmen uns unsere wilden Tiere – sie geben uns Zoologische Gärten.
Sie nehmen uns unsere Wälder – sie geben uns Autobahnen.
Sie nehmen uns unsere Ruhe – sie geben uns Lärmschutzanlagen.
Sie nehmen uns unsere Riten – sie geben uns Gesetze.

Sie wollen nur unser Bestes – wir geben es ihnen oft freiwillig – aus Sehnsucht nach dem Anderen.

Die Fragen:
• Wer sind “Sie”,
• Wann sind wir selbst “Sie”
• Warum glauben wir, dass Geben seliger als Nehmen ist?

Tags » , , «

Trackback: Trackback-URL |   
Feed zum Beitrag: RSS 2.0  | Thema: Essays

Diesen Beitrag kommentieren.

Kommentar abgeben

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes