Aristoteles und die Ursachenforschung oder die Erbsünde "Kausalität"
Freitag, 18. Mai 2007 | Autor: Bernd Floßmann
Aristoteles schreibt in einem unter dem Namen “Metapysik” zusammengefassten Buch [1069a][18]:
“peri tês ousias hê theôria: tôn gar ousiôn hai archai kai ta aitia zêtountai. (peri thV ousiaV h qewria:twn gar ousiwn ai arcai kai ta aitia zhtountai.)
[1] de substantia quidem theoria est; nam substantiarum principia et cause queruntur.
1 (a) Das Wesen ist der Gegenstand unserer Betrachtung; denn die (substantiellen) Prinzipien und Ursachen der Wesen werden gesucht. (vgl.: Quelle)
Hier bin ich mir unsicher geworden, ob hier nicht ein Urmissverständnis der Philosophie wie der Wissenschaften zu finden ist. Die Wissenschaft forsche nach den Ursachen, gar nach den letzten Ursachen der Dinge?
Ist es nicht vielmehr so, dass die Wissenschaft nach Folgen sucht? Vielleicht ist es unmöglich, nach Ursachen für Seiendes zu suchen, denn diese Ursachen sind im Strom der Zeit verschollen und können bestenfalls aus dem jetzigen Verhalten der Sachverhalte im Analogieschluss interpretiert werden!
Auch die Folgen können nur im Analogieschluss gefunden werden: Wenn es unter bestimmten definierbaren Bedingungen funktioniert hat, (Wenn …) dann funktioniert es, so vermuten wir, auch in anderen Fällen unter ähnlichen Bedingungen.
Ist also sämtliche Philosophie und daraus abgeleitete Wissenschaft in ihrer Wahrheit Ontologie, Lehre vom Sein, und als solche im Wesen unmöglich, nie präzise begreifbar, weil diese Begriffe sich immer immer auf Vermutungen, Annahmen, Axiome beziehen, weil ihr Gegenstand (Materie, etwas, das ich ausdrücklich nicht auf Stoffliches, auch nicht als etwas aus Fermionen Bestehendes reduziere) – als seiender – als lebendiges, fließendes Sein eben nicht fassbar ist.
Heißt dieses “weil” das wir so unvorsichtig benutzen, in Wirklichkeit “möglicherweise, etwa, soweit wir bisher wissen …”?
Bedenken wir, dass die Mathematik, der Inbegriff der “exakten” Wissenschaft, sich selbst auf Glaubenssätze gründet, ähnlich wie jede Religion, Annahmen, die selbst nicht in Frage gestellt werden oder gar in Frage gestellt werden dürfen (damit werden sie Dogmen) so erhalten wir den Gedanken, dass die Basis der Wissenschaft die Vermutung ist und ihr Rahmen der Geltungsbereich des praktischen Nutzens dieser Vermutungen welcher selbst durch die Wissenschaft unter grosser Gefahr immer wieder an seine Grenzen geführt wird.
Lesen wir also Aristoteles als jemanden, welcher Vermutungen zu einem Gebäude aufgebaut hat und, als Wissenschaftler, immer wieder ausprobiert hat, ob das Gebäude brauchbar ist für die Interpretation der Vergangenheit und die Kreation der Zukunft!


