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Über die Verständlichkeit von Philosophie

Montag, 5. Februar 2007 | Autor: Bernd Floßmann

Philosophie und philosophische Schriften gelten als schwer verständlich. Das ist bei Sätzen nachvollziehbar, wie:

“Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So widersprechend es scheinen mag, daß das Absolute wesentlich als Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Überlegung diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: alle Tiere, dies Wort für eine Zoologie gelten kann, ebenso fällt es auf, daß die Worte des Göttlichen, Absoluten, Ewigen usw. das nicht aussprechen, was darin enthalten ist; – und nur solche Worte drücken in der Tat die Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches Wort, der Übergang auch nur zu einem Satze, ist ein Anderswerden, das zurückgenommen werden muß, ist eine Vermittlung. Diese aber ist das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, daß mehr aus ihr gemacht wird denn nur dies, daß sie nichts Absolutes und im Absoluten gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben wäre. (G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes. Vorrede)”

Fremdworte, seltsame Formulierungen unverständliche Formulierungen sind Blicke in fremdes Denken, aktuelles Denken in schriftlicher Form. So wird geschrieben, wenn geforscht wird. Wenn die Sachverhalte erst einmal begriffen und Allgemeingut der Menscheit geworden sind, können sie erst verständlich formuliert werden. Was Hegel hier sagt, ist, dass, wenn ich erfahren muss, dass meine Gedanken nur in meinem Kopf existieren und die lebendige Wirklichkeit dadurch nur immer subjektiv und nur unvollkommen beschrieben wird – mein Wunsch nach Wissenschaft nicht aufgegeben werden muss, denn der Wunsch ist es, das Drängen, nicht das Resultat, der trockene Buchstabe, in dem wir und für den wir leben.

Dieses Drängen selbst ist gerichtet und zwar von der abstrakten Allgemeinaussage “alle Tiere” hin zur Konkretion “aller” Eigenschaften und Beziehungen eines Sachverhaltes, zum Beispiel in der Wisenschaft der Zoologie, die für Hegel hier das Beispiel absoluten Wissens gibt.

Also: Habt Verständnis mit den Philosophinnen und Philosophen, die um Verständnis ringen!

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