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Zeit und Subjektivität

Sonntag, 4. Februar 2007 | Autor: Bernd Floßmann

Zeit ist ein Phänomen. Das heißt, es gibt Effekte, an denen wir erfahren können, dass es etwas gibt, das wir als Zeit beschreiben können. Die Sanduhr zeigt das Phänomen Zeit, wie es uns erscheint: Es gibt eine Zukunft (der Sand im oberen Teil des Glases), eine Vergangenheit, (der Sand im unteren Teil des Glases), und eine Gegenwart, die Verjüngung zwischen den beiden Hälften, der Ort, an dem das Sandkorn von oben nach unten fällt.

Die Zeit, wie sie für uns erscheint, ist ein Prozess. Vergangenheit und Gegenwart sind etwas, das dann, wenn wir sind, nicht sind. Das eine war einmal, das andere wird erst sein. Soweit ist es banal und allen bekannt. Was sind aber die Schlussfolgerungen aus diesem Erscheinen von Zeit (oder ihrer Phänomenologie)?

Vergangenheit ist etwas, das jetzt ist, denn nur in der Gegenwart existiert etwas. Vergangenheit ist ein Konstrukt, aus den Residuen der Vergangenheit rekonstruiert und neu erzählt, immer wieder und immer aus dem Standpunkt jener Verjüngung der Sanduhr.

Zukunft, die ja noch nicht ist, kann für uns Seiende ebenfalls nur konstruiert werden, ebenfalls aus den Residuen der Vergangenheit und der daraus anzunehmenden Tendenz, existiert also ebenfalls jetzt.

Vergangenheit und Zukunft sind also existent im Jetzt, es gibt nichts anderes als die Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft ist etwas, das ausschließlich als Interpretation von im Jetzt existierenden, wirkenden Resten aus der Vergangenheit existiert. So existieren für uns Vergangenheit und Zukunft als etwas Subjektives, nur in unserem Denken existierendes. Wie alles in unserem Denken Existierende beschränkt sich diese Interpretation auf das, was wir heute, jetzt erinnern oder finden und für die Interpretation nutzen können.
Gegenwart ist demnach der Ort der Konstruktion von Vergangenheit und Zukunft, einer Konstruktion, die sich ständig ändert, einmal, weil die erwünschten Zukünfte von der Interpretation der Residuen der Vergangenheit abhängen, weil sie Weitererzählungen der Geschichte(n) über diese Residuen sind. Wenn es Geschichte gibt, gibt es sie jetzt, wenn es eine Zukunft gibt gibt es sie eben gerade jetzt, weil und insofern ich von ihr erzähle.

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